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AMAHORO! LANDESPARTNERSCHAFT FAIR HANDELN SEZ

Im Gespräch mit Nataliya Yarmolenko

Nataliya Yarmolenko ist neue Vorständin bei der Fair Trade Genossenschaft WeltPartner © WeltPartner eG

Seit Juni 2025 ist Nataliya Yarmolenko im Vorstand von WeltPartner eG. Ursprünglich Ärztin mit dem Schwerpunkt Naturheilkunde wechselte sie 2002 in die nachhaltige Wirtschaft bei Weleda. Im Interview spricht sie darüber, wie Genossenschaften Frauen* weltweit stärken können und welche Rolle internationale Partnerschaften dabei spielen. 

Worauf freuen Sie sich am meisten in Bezug auf die AMAHORO! Landespartnerschaft?
Ich freue mich sehr darauf zu erleben, wie in der AMAHORO! Landespartnerschaft unterschiedliche Akteur*innen – Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft – zusammenwirken. Wo sich Engagement und Handel ergänzen, entsteht eine besondere Wirkkraft: wirtschaftliche Teilhabe schafft konkrete Perspektiven, politische Kooperation gibt ihnen Struktur und Sichtbarkeit. Gerade in Burundi, wo Frauen* häufig das Rückgrat ihrer Familien und Gemeinschaften bilden, können faire Handelsbeziehungen einen echten Unterschied machen – sie eröffnen Einkommen, Anerkennung und Selbstbestimmung.

Welche Chancen sehen Sie in Genossenschaften und im fairen Unternehmertum, damit mehr Frauen am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen können?
Genossenschaften sind gelebte Teilhabe – sie ermöglichen Frauen nicht nur mitzuarbeiten, sondern auch mitzugestalten und mitzubesitzen.
Im Fairen Handel sehen wir immer wieder, wie Frauen dadurch zu Unternehmerinnen werden, Verantwortung übernehmen und ihre Gemeinschaften stärken. Das Modell der Genossenschaft verbindet wirtschaftliche Stabilität mit sozialer Gerechtigkeit – und genau das brauchen wir, um Frauen weltweit nachhaltig zu stärken. Nicht ohne Grund ist WeltPartner selbst als Genossenschaft organisiert: Diese Struktur ermöglicht Mitbestimmung, Transparenz und langfristiges Vertrauen – auch über Kontinente hinweg.

Wie können internationale Partnerschaften zu mehr Gleichberechtigung beitragen?
Internationale Partnerschaften schaffen Räume für Begegnung und gemeinsames Lernen. Wenn wir wirklich zuhören, können wir voneinander verstehen, was Gleichberechtigung in den jeweiligen Lebensrealitäten bedeutet. In Burundi – wie auch bei uns – braucht es Strukturen, die Frauen wirtschaftlich unabhängig machen und ihre Stimme stärken. Solche Partnerschaften zeigen: Gleichberechtigung ist kein Zustand, den man erreicht, sondern ein Weg, den man gemeinsam geht.

Vielen Dank für das Gespräch.

Mehr zur Partnerschaft und fairem Unternehmertum

Ihre Ansprechpartnerin

ANNA LEICHT

ÖA & Eventmanagement in AMAHORO! Landespartnerschaft zwischen BW & Burundi

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AMAHORO! LANDESPARTNERSCHAFT SEZ WIRTSCHAFT

Wie Genossenschaften Frauen stärken

Steffen Müller, Geschäftsführer GESTE, Nataliya Yarmolenko, Vorständin WeltPartner eG, Ange Muyubira, Geschäftsführerin Kaz’O’Zah und Astère Hatungimana, 1. Vorsitzender BDD e. V., diskutierten darüber, wie Genossenschaften Frauen stärken © SEZ

In einer von Unsicherheit und Ungleichheit geprägten Welt ist wirtschaftliche Stabilität ein entscheidender Faktor für Frieden und Sicherheit. Genossenschaften sind ein gelungener Ansatz, um mehr wirtschaftliche Teilhabe zu fördern. Denn ihre Organisationsform ermöglicht es, dass alle Mitglieder gemeinsam wirtschaften und entscheiden. Beim BW-Burundi Netzwerktreffen am 20. November diskutierten Engagierte darüber, welche Rolle Genossenschaften dabei spielen, Geschlechterungerechtigkeiten zu reduzieren.

Steffen Müller, Geschäftsführer der GESTE, erläuterte in seinem Vortrag, dass Genossenschaften trotz ihrer demokratischen Strukturen nicht automatisch gesellschaftliche Ungleichheiten abbauen. Vielmehr müssen diese Strukturen aktiv mitgedacht und aufgebrochen werden, indem Frauen beispielsweise aktiv gefördert werden.   

In der Podiumsdiskussion betonte Nataliya Yarmolenko, Vorständin von WeltPartner eG, dass Genossenschaften ein Gegenmodell zur modernen Wirtschaftsweise darstellen, das häufig auf Konkurrenz und Profitmaximierung basiert. Das derzeitige Wirtschaftssystem stellt für Frauen oft ein Hindernis dar, um Führungspositionen zu übernehmen. Hier können Genossenschaften ansetzen, Frauen fördern und ein sinnvolles und würdevolles Arbeiten ermöglichen.

Astère Hatungimana, 1. Vorsitzender BDD e. V., hob die Rolle der Frauen in Burundi als Säulen der Gesellschaft hervor. Denn Frauen sind diejenigen, die sich für die Familie einsetzen und sie zusammenhalten. Er betonte, dass die Stärkung von Genossenschaften mit einem Fokus auf Frauen nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch gesellschaftlichen Wandel fördern kann. Denn das gemeinsame Zusammenarbeiten kann große Veränderungen herbeiführen.  

Ange Muyubira, Gründerin und Geschäftsführerin von Kaz’O’zah, hob hervor, dass finanzielle Unabhängigkeit Frauen dabei hilft, selbstbewusster zu werden und neue Räume zu erschließen. Damit dieser Wandel gelingt, müssen jedoch auch die Männer mitgenommen werden. Geschehe das nicht, könnte es zu mehr Fällen von geschlechtsspezifischer Gewalt führen.  

Diese Erkenntnisse aus dem BW-Burundi Netzwerktreffen verdeutlichen, dass gemeinschaftliche Ansätze der Schlüssel zu einem gerechteren Wirtschaftssystem sind.

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Ihre Ansprechpartnerin

ANNA LEICHT

ÖA & Eventmanagement in AMAHORO! Landespartnerschaft zwischen BW & Burundi

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AMAHORO! LANDESPARTNERSCHAFT SEZ

Die Geschichte Ruandas aufarbeiten: Lesung von Gaël Fayes Jacaranda

Mit seinen Worten inspirierte Autor Gaël Faye die Jugend. Philine Sauvageot (links) moderierte und Isabel Lienenkämper (rechts) dolmetschte. © Sebastian Wenzel

Sein Debütroman Petit Pays, dt. Kleines Land, machte ihn 2017 zum Nachwuchsstar der französischen Literaturszene. Seit 2025 ist dieses Buch auch Pflichtlektüre für das Französisch-Abitur in Baden-Württemberg. Am 25. September 2025 kam der Autor Gaël Faye nach Stuttgart, um sein neuestes Werk Jacaranda vorzustellen.

Das Buch, das 2024 mit dem renommierten Literaturpreis Renaudot ausgezeichnet wurde, erzählt von den Nachwirkungen des Völkermordes in Ruanda anhand der Familiengeschichte des jungen Milan: Als Kind hört Milan von Ruanda nur in den Nachrichten. Erst als junger Erwachsener reist er nach Kigali und setzt sich mit seiner eigenen Familiengeschichte auseinander. Jacaranda lädt dazu ein, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und sich im Protagonisten Milan wiederzuerkennen.

Der stumme Zeuge: der farbenprächtige Jacaranda-Baum

Der titelgebende Jacaranda steht als Metapher für den stummen Zeugen, der den Völkermord miterlebt hat und nimmt eine zentrale Rolle in der Familiengeschichte Milans ein. Mit seinen farbenprächtigen Blüten lädt dieser Baum die Leser*innen dazu ein, sich sowohl mit der Schönheit der Natur als auch mit der Dunkelheit des Krieges auseinanderzusetzen. Er symbolisiert die Kontinuität des Lebens trotz der schmerzlichen Vergangenheit.

Durch Empathie und Verständnis verbindet Faye seine eigene Generation mit der Generation seiner Eltern. Dabei sprach er offen über transgenerationales Trauma, aber auch von Verbindungen zurück in die Region. Er selbst hätte nie gedacht, dass er nach Ruanda zurückkehren und dort seine Kinder aufwachsen sehen würde.

Die besondere Rolle der Kunst in der Erinnerungskultur

Mit dieser Lesung inspirierte Gaël Faye zahlreiche junge Menschen, sich mit der Vielschichtigkeit von Geschichte auseinanderzusetzen. Faye hob die Rolle der Kunst und Literatur in der Erinnerungskultur hervor. Denn im Gegensatz zur Politik und Wissenschaft bietet die Kunst mehr Freiheiten, um Geschichte zu wahren und sich zu erinnern. Er ermutigt die Jugend dazu, selbst zu schreiben, in ihren eigenen Worten zu erzählen und damit Geschichte und Erinnerung mitzuprägen.

In seinen Erzählungen stellt Faye die allgemeingültigen Themen Menschheit, Kindheit, Freundschaft, Freude und den Frieden in den Vordergrund. Denn das sind die Themen, die ihn bewegen. Aber nicht nur ihn: Wir alle können uns damit identifizieren. So schaffte er eine nahbare Atmosphäre, signierte nach der Lesung Bücher und nahm sich Zeit für persönliche Begegnungen.

Sein Wunsch, dass die gesamte Region in Frieden leben möge, begleitet uns über das Ende der Veranstaltung hinaus.

Diese Veranstaltung war eine Kooperation zwischen dem Institut Français, dem Hospitalhof Stuttgart, dem Literaturhaus Stuttgart und der AMAHORO! Landespartnerschaft zwischen Baden-Württemberg und Burundi. Ein herzliches Dankeschön ebenso an den Piper-Verlag. Beim Verlag ist Jacaranda auf Deutsch erhätlich.

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MUNA HASSABALLAH

Partnerschaftsarbeit der AMAHORO! Landespartnerschaft zwischen BW & Burundi

ANNA LEICHT

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AMAHORO! LANDESPARTNERSCHAFT BWIRKT! PROJEKT­FÖRDERUNG

bwirkt! Burundi – Ihre Förderlinie für Partnerschaftprojekte

Es ist wieder soweit: Sie haben die Möglichkeit Ihr Partnerschaftsprojekt in Burundi fördern zu lassen. Reichen Sie zwischen dem 1. September und 17. Oktober einen Antrag bei bwirkt! Burundi ein und erhalten Sie so die Chance auf eine Förderung bis zu 20.000€.

bwirkt! Burundi ist die Fördermöglichkeit der SEZ für Projekte in Burundi durch Mittel des Landes Baden-Württemberg. Das Förderprogramm bwirkt! Burundi dient der Stärkung und Festigung der AMAHORO! Landespartnerschaft zwischen Baden-Württemberg und Burundi.
Die Förderschwerpunkte sind:

  • Ernährungssicherheit
  • Einkommensschaffung
  • Friedensförderung

Wer ist antragsberechtigt?

  • Organisationen aus Baden-Württemberg, die idealerweise bereits eine Partnerschaft bzw. einen Kontakt mit einer Organisation in Burundi haben oder in Anbahnung einer Partnerschaft sind.
  • Die antragsstellende Organisation sollte ihren Sitz in Baden-Württemberg haben.
    Im Einzelfall können sich auch deutschlandweit Organisationen bewerben.
  • Pro Organisation kann nur ein Antrag auf bis zu 20.000 € eingereicht werden.
  • Mindestens 15% der Gesamtausgaben müssen Eigenmittel sein.
  • Die Projekte dürfen maximal 12 Monate laufen.
  • Der offizielle Start der Projekte muss zwischen dem 12. Januar und 12. Februar 2026 liegen.

Grundsätzlich nicht gefördert werden können:

  • Reine Besuchsprogramme.
  • Projekte, die der Form und dem Zweck nach einer institutionellen Förderung entsprechen würden.
  • Laufende Kosten, die auch nach Abschluss eines Projektes notwendigerweise anfallen (Strom, Miete, auf Dauer notwendige Gehälter, z. B. für Lehrkräfte).
  • Reise- & Personalkosten der antragstellenden Institution aus Baden-Württemberg.

Um Ihren Antrag einzureichen, nutzen Sie das digitale Antragsportal der SEZ. Der Einsendeschluss ist der 17. Oktober 2025 um 16:00 Uhr MESZ. Anträge per Post oder E-Mail können nicht berücksichtigt werden.

Gerne können sie einen Termin für eine Beratung ausmachen. Kontaktieren Sie dazu Ihre Ansprechpartnerin Raïssa Mpundu unter bw-burundi@sez.de.

Inspiration gefällig? Einblicke in ein Projekt aus dem Jahr 2024

Ein Beispiel aus dem Förderjahr 2024 zeigt wie vielfältig die Projekte sind:

Von Januar bis Juni 2025 reiste das Theaterstück Ingundu y’Umuganuro durch Burundi. Es erzählt die Geschichte der alten Umuganuro-Feier auf neue Weise. Dabei ging es darum, sich an die eigenen Wurzeln zu erinnern, über die Vergangenheit nachzudenken und neue Gespräche über Zusammenhalt und Frieden im Land anzustoßen.

In dieser Zeit gab es 18 Aufführungen mit anschließenden Diskussionen – an Universitäten, Schulen und Kulturzentren. Statt der erwarteten 4.500 kamen rund 12.000 Menschen. Viele von ihnen erzählten später, wie stark das Stück sie berührt hat. Lehrkräfte, Studierende, Geistliche und Dorfälteste sagten: Dieses Theater gibt der Kultur Würde zurück, bringt Menschen näher zusammen und stärkt die Arbeit für Frieden und Versöhnung.

So wurde das Projekt zu einem wichtigen Schritt für Heilung und gemeinsames Weitergehen in Burundi.

Fokus auf nachhaltige Entwicklungsziele seit 2018

Seit 2018 unterstützt bwirkt! Burundi Projekte im Partnerland Baden-Württembergs. Seitdem wurden 89 Projekte mit einer durchschnittlichen Fördersumme von ca. 300.000 € pro Jahr in verschiedenen Gegenden und Städten Burundis gefördert. Nahezu die Hälfte aller Vorhaben trug zur Erreichung von SDG 1 (“Keine Armut”) bei. Jeweils ein Drittel konzentrierte sich auf SDG 2 („Kein Hunger“), SDG 3 („Gesundheit und Wohlergehen“) sowie SDG 8 („Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“). Die untere Graphik verdeutlicht, wie viele Projekte sich mit den jeweiligen SDGs befassen.

Anmerkung: Organisationen können mehrere SDGs in ihren Projekten angehen.

Man sieht eine Grafik für die Verteilung der SDGs. 45% SDG 1 34% SDG 2 34% SDG 3 13% SDG 4 25% SDG 5 3% SDG 6 1% SDG 7 33% SDG 8 6% SDG 9 21% SDG 10 4% SDG 11 6% SDG 12 10% SDG 13 0% SDG 14 0% SDG 15 17% SDG 16 13% SDG 17
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AMAHORO! LANDESPARTNERSCHAFT SEZ

Reise nach Burundi

Bild: Die „Schlucht der Deutschen“ beeindruckt durch ihre tektonischen Verwerfungen © Andy Gerard Nibizi

Burundi, das Partnerland Baden-Württembergs, besticht durch eine atemberaubende Natur, Nationalparks und historische Stätten. Ein Muss bei jeder Reise: ein Auftritt der „Tambourinaires du Burundi“. Der rituelle Tanz der königlichen Trommler wurde 2014 von der UNESCO zum Immateriellen Kulturerbe erklärt.

Grüne Hügel erstrecken sich sanft am Horizont, das Licht spiegelt sich am endlos erscheinenden Tanganjika-See und mittendrin befindet sich die lebhafte Stadt Bujumbura: Das ist Burundi – ein kleines Land in Ostafrika.

Burundi liegt in der Region der Großen Seen. Einer dieser Seen ist der Tanganjika ‒ der zweittiefste See der Welt. Entlang des Tanganjika laden Sie idyllische Resorts zur Erholung ein. 

Im Allgemeinen ist Burundi ein sehr grünes und wasserreiches Land. Es gibt eine Vielzahl von Wasserfällen und Flüssen, die auch von Nilpferden bewohnt werden. Die kraftvollen Ströme der Karera Wasserfälle sind ein überwältigendes Naturschauspiel, das umgeben von üppiger Vegetation ist.

Nahe der Grenze zu Tansania beeindruckt die „Schlucht der Deutschen“ mit ihren faszinierenden tektonischen Verwerfungen. Der Name erinnert an die deutsche Kolonialzeit (1896 – 1916): Während des Ersten Weltkriegs flüchteten deutsche Soldaten in diese Schlucht.

Großstädte wie Bujumbura locken mit ihrer großen Auswahl an kulturellen Veranstaltungen, Cafés und Restaurants. Eines dieser Festivals ist die Marahaba Music Expo. Dieses internationale Musikforum für Afrika findet alle zwei Jahre statt. Musikschaffende aus Afrika und der ganzen Welt locken zahlreiche Besucher*innen nach Bujumbura.

Weitere Sehenswürdigkeiten:

  • Monument der Einheit in Bujumbura
  • Unabhängigkeitsdenkmal in Bujumbura
  • Rusizi-Nationalpark in Bujumbura
  • Nationalmuseum in Gitega
  • Heiligtum der Trommeln in Gishora, Gitega
  • Karera-Wasserfälle in Rutana
  • Schlucht der Deutschen in Rutana
  • Resorts am Tanganjika-See
  • Quelle des Nils in Bururi
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Hauptstadt: Gitega (politisch), Bujumbura (wirtschaftlich)

Währung: Burundi-Franc

Zeitzone: In Burundi wird die zentralafrikanische Zeit verwendet (CAT). Während der mitteleuropäischen Sommerzeit befinden sich Deutschland und Burundi in derselben Zeitzone. Während der Winterzeit gehen die Uhren in Burundi eine Stunde vor. 

Sprachen: Kirundi, Französisch

Klima: tropisch-wechselfeucht. Die Höhenlage mildert die Temperaturen ab.

Regenzeit: November bis Dezember, Februar bis Mai. Aufgrund des Klimawandels verschieben sich die Regen- und Trockenzeiten.

Beste Reisezeit: Während der großen Trockenzeit zwischen Juni und Oktober.

Höchste Erhebung: Mont Heha (2684 m)

Kleidung: In Burundi ziehen sich die Menschen schick an. Auf formale Kleidung wird insbesondere bei offiziellen Terminen wert gelegt. Kurze Hosen, kurze Röcke (oberhalb des Knies) und freizügige Oberteile sind in Burundi unangebracht.

Die burundische Küche ist vielfältig. Viele Gerichte basieren auf Bohnen, Kochbananen, Süßkartoffeln, Maniok, Mais und Erbsen. Durch die Lage am See ist der frische Fisch Mukeke in Bujumbura eine Kostprobe wert. Vegetarische und vegane Speisen sind verbreitet. Nennen Sie dem Personal im Restaurant präzise, auf welche Lebensmittel Sie verzichten.

Probieren Sie:

  • Mukeke
  • frische Säfte und Früchte
  • Fufu aus Mais mit Milch
  • lokales Bier (“Primus”)

Kirundi ist neben Französisch eine der Amtssprachen Burundis und die meist genutzte Umgangssprache. Hier ein paar Worte für die Verständigung:

Hallo – Amahoro!
Guten Morgen – Mwaramutse
Guten Abend – Mwiriwe
Wie geht’s dir? – Uraho?
Gut. Und dir? – Jewe ndakomeye, nawe?
Auch, danke – Na jewe, urakoze.
Vielen Dank – Murakoze cane
Tschüss – Tuzosubira
Ich heiße… – Nitwa…
Ja – Ego
Nein – Oya

In Burundi können Sie zahlreiche Souvenirs als Erinnerung an Ihre Reise erwerben.
Das Kunsthandwerk hat in Burundi eine lange Tradtion.
Eine kleine Inspiration für mögliche Souvenirs:

  • Trommel-Schlüsselanhänger
  • kleine Trommeln (Ingoma)
  • Taschen und Kleidungsstücke aus den traditionellen Stoffen Kitenge
  • Körbe (Ibiseke)
  • Kaffee und Tee (Ikawa, Icayi)
  • Schmuck (Ibikomo)

Kulturen sind vielschichtig, spannend und machen neugierig. Zu kennen, welche kulturellen Unterschiede den Unterschied machen, bereichern Begegnungen. Häufig neigen wir jedoch dazu unsere eigene Kultur als Standard und als Grundlage für Bewertungen zu nehmen. Dabei ist es uns oft nicht bewusst, wie stark unser Denken durch Stereotype und Vorurteile geprägt ist. Unser Handeln und verinnerlichte Muster zu hinterfragen, kann dazu beitragen, dass wir Menschen respektvoll begegnen.

Folgende Fragen helfen Ihnen dabei, Ihre eigene Haltung vor und während der Reise zu hinterfragen:

  • Welche Bilder habe ich über Burundi im Kopf?
  • Was hat mein Bild von Burundi geprägt?
  • Woher kommt mein Wissen zu Burundi?

„Fremde in einer neuen Kultur sehen nur das, was sie kennen.” – Unbekannt

Ihre Ansprechpartnerin

Anna Leicht
ÖA & Eventmanagement in AMAHORO! Landespartnerschaft zwischen BW & Burundi
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AMAHORO! LANDESPARTNERSCHAFT INTERVIEW SEZ

Im Gespräch mit Darcy Mwuhiro

Bild: Daryc Mwuhiro stellte beim Smartphone Documentary Workshop vor seinen Mitschüler*innen und den Lehrer*innen sein Projekt vor © Burundi Film Center.

September 2024 in Bujumbura: Im Rahmen des Smartphone Documentary Workshops entstanden in kürzester Zeit neun beeindruckende Trailer. Das einzige Werkzeug? Ein Smartphone. Dieser Workshop entstand durch eine Kooperation zwischen der Filmakademie Baden-Württemberg und dem Burundi Film Center. Finanziert wurde das Projekt von der SEZ über Mittel des Staatsministeriums Baden-Württemberg, die vom Landtag Baden-Württemberg bewilligt wurden.

Darcy Mwuhiro ist ein junger Dokumentarfilmer und Fotograf aus Burundi. Sein Schwerpunkt liegt auf Geschichten der Resilienz, Hoffnung und Friedensbildung. So interviewte er beim Smartphone Documentary Workshop im September 2024 Geflüchtete aus der DR Kongo. Im Gespräch erfahren wir, was ihn inspiriert und wie er durch Filme Menschen zusammenbringt.

Amahoro, Darcy. Wie kamst du zum Film?

Seit meiner Kindheit war ich von Filmen umgeben. Sie eröffneten andere Welten und regten meine Vorstellungskraft wie kein anderes Medium an. Filme halfen mir zu träumen, zu staunen und das Leben aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.
Ursprünglich wollte ich kein Filmemacher werden: Ich begann Friedensförderung und Entwicklung zu studieren. Denn ich wollte verstehen, wie Gemeinschaften nach traumatischen Ereignissen – wie Bürgerkriegen oder Genoziden – heilen können. Mit der Zeit erkannte ich jedoch, dass sich manche Wahrheiten nicht in Lehrbüchern oder Daten finden lassen – sie leben in Gesichtern, Stimmen, in der Stille und in Auseinandersetzungen. Eine Kamera kann Dinge zeigen, die Worte nicht ausdrücken können.

Was inspiriert dich bei deiner Arbeit?

In meinem Heimatland, Burundi, gibt es eine Fülle von unerzählten Geschichten – Geschichten, die von Widerstandsfähigkeit, Hoffnung und dem andauernde Weg nach Frieden erzählen. Ich möchte diese Geschichten, diese Momente einfangen und sie einem breiteren Publikum zugänglich machen: Das ist der Kern meiner Motivation. Filme haben die einzigartige Fähigkeit, Empathien zu wecken und Menschen über Kulturen hinweg miteinander zu verbinden.

Auf welche Themen legst du den Fokus in deinen Filmen?

Mit meinem Hintergrund in Friedensförderung und Entwicklung habe ich mich schon immer für Geschichten interessiert, die Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung fördern. Was mich wirklich fasziniert, sind die kleinen, kraftvollen Akte der Resilienz – Menschen, die im Verlust Sinnhaftigkeit entdecken, und Chaos in Kunst verwandeln. Das sind die Geschichten, die es verdienen, erzählt zu werden. Seit ich an der renommierten Filmakademie Baden-Württemberg studiere, beschäftige ich mich auch mit dem Spielfilm. Manchmal kann der Dokumentarfilm nicht die tief unterschwelligen Wahrheiten einfangen. Die Fiktion greift, wo die Realität versagt: Die Fantasie bringt Botschaften besser hervor und Emotionen können mehr erreichen. Ich lerne, beide Welten – Fiktion und Realität – zu verbinden. Damit ich Geschichten erzähle, die nicht nur informieren, sondern Menschen zum Handeln bewegen.

Im vergangenen Jahr hast du am Smartphone Documentary Workshop teilgenommen. Was hast du aus diesem Workshop mitgenommen?

Der Smartphone Documentary Workshop mit dem Burundi Film Center, der Filmakademie Baden-Württemberg und der SEZ hat uns gelehrt: Was zählt ist die Geschichte und der Mut, sie zu erzählen. Nur mit einem Smartphone in der Hand haben wir gelernt, bewusst die Welt zu sehen und zielgerichtet zu filmen.
Ein Moment, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war eine eindringliche Diskussion über Ethik im Dokumentarfilm mit unseren Trainer*innen aus Deutschland. Wir haben darüber gesprochen, was es wirklich bedeutet, die Würde der Menschen zu schützen, die uns ihre Geschichten anvertrauen. Dieses Gespräch hat mich sehr bewegt. Es hat mich daran erinnert, dass es bei der Dokumentararbeit nicht nur darum geht, Bilder einzufangen, sondern darum, die Wahrheit eines Menschen mit Sorgfalt zu vermitteln.
Dieser Workshop hat mir nicht nur beigebracht, wie man ohne großes Budget bessere Geschichten erzählt, sondern auch, wie ich meiner Stimme als Filmemacher vertrauen kann. Selbst mit einem Smartphone als Werkzeug kann eine gut erzählte Geschichte viel bewirken.

Wie kann die AMAHORO! Landespartnerschaft zwischen Baden-Württemberg und Burundi junge Künstler*innen unterstützen?

Die AMAHORO! Partnerschaft birgt ein immenses Potenzial für junge Künstler*innen wie mich, insbesondere in Burundi. Sie kann uns den entscheidenden Zugang zu Ressourcen, Mentor*innen und Vertriebsplattformen verschaffen, die für uns oft unerreichbar sind. Darüber hinaus kann sie ein wichtiges Gemeinschaftsgefühl und den Zusammenhalt fördern, sodass Künstler*innen voneinander lernen und sich auf ihrem kreativen Weg weniger alleine fühlen.
Meiner Erfahrung nach brauchen junge Künstler*innen vor allem Empowerment und Selbstvertrauen. Wir müssen daran glauben, dass unsere einzigartigen Perspektiven und Geschichten auf der globalen Bühne wirklich zählen.
Die AMAHORO! Partnerschaft kann eine wichtige Brücke sein, die burundische Künstler*innen mit der Welt verbindet und uns allen hilft, unser volles Potenzial auszuschöpfen.

Vielen Dank für die spannenden Einblicke, Darcy!

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Montag, 3. Juli 2023

AMAHORO! Landespartnerschaft

Die AMAHORO! Landespartnerschaft zwischen Baden-Württemberg und Burundi Gelebte Partnerschaften zwischen Baden-Württemberg und Burundi Seit mehr als 40 Jahren bilden partnerschaftliche

AMAHORO! LANDESPARTNERSCHAFT
SEZ
Montag, 19. Mai 2025

Friedensarbeit mitten im Konflikt?

Der anhaltende Konflikt im Osten der DRK und die Auswirkungen auf Burundi und Ruanda beschäftigen die Landespartnerschaft.
AMAHORO! LANDESPARTNERSCHAFT
BWIRKT!
ENGAGIERTE IN BADEN-WÜRTTEMBERG
PARTNER­SCHAFTS­GRUPPEN
PARTNER­SCHAFTS­ZENTRUM
Mittwoch, 30. April 2025

Veränderung beginnt in der Art, wie wir die Welt erzählen.

Öffentlichkeitsarbeit bedeutet Verantwortung, insbesondere auch in der internationalen Partnerschaftsarbeit.

Ihre Ansprechpartnerin

Anna Leicht
ÖA & Eventmanagement in AMAHORO! Landespartnerschaft zwischen BW & Burundi
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AMAHORO! LANDESPARTNERSCHAFT GLOBALE KOMMUNE

Von Bujumbura bis Stuttgart: Partnerland Burundi beim Afrika-Festival Stuttgart

Dieses Jahr feirte das Afrika-Festival Stuttgart sein 20-jähriges Bestehen! Vom 10. bis 13. Juli 2025 wurde der Erwin-Schöttle-Platz in Stuttgart erneut zur Bühne für Begegnungen durch Musik, Kunst und kulinarische Genüsse. Ein besonderes Highlight: Die vielfältigen Einblicke in das Partnerland Baden-Württembergs, Burundi.

Seit 2003 lockt das kostenfreie Afrika-Festival Stuttgart am 2. Juliwochenende tausende Besucher*innen aus dem In- und Ausland nach Stuttgart-Heslach. In all den Jahren brachte das Festival Menschen zusammen und schaffte Raum für Musik, Kunst und neue Impulse. In diesem Jahr lag ein besonderer Schwerpunkt auf Burundi, das seit über 40 Jahren durch die AMAHORO! Landespartnerschaft mit Baden-Württemberg verbunden ist.

Den Auftakt machte die Ingoma Trommelgruppe Berlin bei der Eröffnung des Festivals am Freitag, den 11. Juli. Mit ihren kraftvollen Klängen begeisterten die Tambourinaires du Burundi Jung und Alt. Seit 2014 sind sie Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Begleitet wurden die Trommler von Tänzerinnen. Die Trommeln und traditionellen Tänze sind ein wichtiger Bestandteil der kulturellen Identität Burundis.

Die Ausstellung „AMAHORO Burundi – Partnerland voller Facetten“ gab im Alten Feuerwehrhaus von Freitag bis Sonntag eindrucksvolle Einblicke in die Gesellschaft, die (Kolonial-)Geschichte Burundis und in die Partnerschaft, die Burundi und Baden-Württemberg seit über 40 Jahren miteinander verbindet.

Am Samstag, den 12. Juli, erhielt das Publikum Einblicke, wie sich der Klimawandel in Burundi auswirkt. Der Dokumentarfilm „Facing new realties – Wie der Klimawandel sich im Herzen Afrikas auswirkt“ beleuchtet eindrücklich die Folgen des Klimawandels in Burundi, Lösungsmöglichkeiten und warum Klimagerechtigkeit wichtig ist. Denn: Burundi selbst trägt nicht wesentlich zu den globalen Treibhausgasemissionen bei, ist aber dennoch von deren Folgen stark betroffen.
Im Anschluss gab Emmanuel Niyoyabikoze, Gründer der Organisation Greening Burundi, einen Impulsvortrag zu diesem Thema und lud zu einem gemeinsamen Austausch ein. 

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AMAHORO! LANDESPARTNERSCHAFT SEZ

Abschied von Prof. Dr. Émile Mworoha – dem Gründervater der AMAHORO! Partnerschaft

Dass die Menschheit besser dran ist, wenn sie zusammenarbeitet ist altes menschliches Wissen. Und doch gibt es nur wenige Menschen, die wissen, wie man es lebt. Einer dieser Menschen war Prof. Dr. Émile Mworoha. Mit großer Anteilnahme trauern wir um den Wegbereiter der AMAHORO! Landespartnerschaft zwischen Baden-Württemberg und Burundi, der am 19. Juni 2025 verstorben ist.

Die Partnerschaft muss damit von einem ihrer Gründungsväter Abschied nehmen, der gemeinsam mit Landtagspräsident a. D. Erich Schneider die Vision für die AMAHORO! Partnerschaft ins Leben rief. Als Präsident der Nationalversammlung von Burundi hatte er den damaligen Landtagspräsidenten eingeladen, woraufhin 1985 die erste baden-württembergische Delegation nach Bujumbura reiste. Die SEZ hatte das Glück letztes Jahr anlässlich des Jubiläums der Landespartnerschaft mit Prof. Dr. Émile Mworoha zu sprechen und Einblicke in seine persönlichen Erinnerungen zu erhalten. Er berichtete uns, dass die Delegation von der Gastfreundschaft der Burundier*innen begeistert war, man sich schon bald über eine Partnerschaft auf regionaler Ebene austauschte und die Provinz Kayanza für diese ausgewählt wurde. Seine Erzählungen haben unser Verständnis der Partnerschaft erhellt und deutlich vor Augen geführt, dass diese von Beginn an nur erfolgreich war, weil sie von beiden Seiten gedacht und getragen wurde.

Wir empfinden großen Respekt und Dankbarkeit für Prof. Dr. Émile Mworohas Wirken und sein Engagement für die Beziehungen zwischen Baden-Württemberg und Burundi. Der Grundstein der AMAHORO! Partnerschaft, den er gelegt hat, trägt diese bis heute und wird unsere Zusammenarbeit mit Burundi auch in Zukunft weiter prägen.

Dass Prof. Dr. Émile Mworoha nicht nur Gründervater der AMAHORO! Partnerschaft, sondern Vordenker und prägende Gestalt der burundischen Politik und Gesellschaft war, macht die Burundische Diaspora in Deutschland e.V. deutlich. Sie beschreibt das Wirken Émile Mworohas als Lehrer, Wissenschaftler und Politiker – in Burundi, auf dem afrikanischen Kontinent und bis nach Europa – und zeichnet ein beeindruckendes Bild seiner Persönlichkeit und der Vielzahl von Wirkungsstätten und Partnerschaften, die er gestaltete.

Wir sprechen allen Angehörigen und Wegbegleiter*innen von Prof. Dr. Émile Mworoha unser Beileid aus und versprechen, die Erinnerung an ihn lebendig zu halten.

Prof. Dr. Émile Mworoha, Erich Schneider und seine Frau Gretel Schneider in Kayanza anlässlich der Delegationsreise des Landtags von Baden-Württemberg nach Burundi (Foto: Privatarchiv Prof. Mworoha)
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AMAHORO! LANDESPARTNERSCHAFT SEZ

Friedensarbeit mitten im Konflikt?

Dr. Siyabulela Mandela erläuterte in seiner Keynote, wie man aus dem Versöhnungsprozess in Südafrika lernen kann. ©SEZ/Fotonoid

Friedensarbeit mitten im Konflikt? Der anhaltende Konflikt im Ostkongo und die Auswirkungen auf Burundi und Ruanda beschäftigen die AMAHORO! Landespartnerschaft. Wie in solch unsicheren Zeiten Frieden geschaffen werden kann, wurde beim BW-Burundi Treffen auf der Messe Fair Handeln diskutiert.

Über 70 Engagierte und Interessierte kamen am 25. April 2025 zum BW-Burundi Treffen auf die Messe Fair Handeln. Denn sie alle bewegt die aktuelle Situation im Ostkongo und die Auswirkungen dieses Krieges auf Burundi und Ruanda. Es stellte sich die Frage: Wie können in solchen Zeiten Friedensprozesse unterstützt werden?

Eine mögliche Antwort präsentierte Dr. Siyabulela Mandela, der Berater für internationale Entwicklung, Frieden und Menschenrechte ist. In seiner inspirierenden Keynote beschrieb er, wie Südafrika während des Freiheitskampfes und der Post-Apartheid die verschiedenen Bevölkerungsgruppen vereint und versöhnt habe. Dabei betonte er, dass der Kolonialismus Konflikte unter Menschen gesät habe, die vormals gemeinschaftlich zusammenlebten. Besonders dieses Ausspielen von Vielfalt sieht er als Wiege der anhaltenden Konflikte im Afrika der Großen Seen.

Auf dem Panel diskutierten

Der Moderator Pater Dr. Déogratias Maruhukiro führte durch die Diskussion. Der Schwerpunkt der Fragestellung war, wie in der aktuellen Lage Friedensarbeit in Burundi geleistet werden kann.

„Wenn wir zusammenkommen, einandern zuhören, die andere Perspektive versuchen zu verstehen, haben wir weniger Konflikte. Leider ist das während einer Krise nicht einfach.“ Für Augusta Muhimpundu ist es für Frieden wichtig, Menschen miteinander in den Austausch zu bringen. Denn nur, wenn auch ein gemeinsames Verständnis von Geschichte zusammen erarbeitet würde, könnten Konflikte gemeinsam aufgearbeitet werden. Das führe zu einem nachhaltigen Frieden.

Eine andere Perspektive brachte Raphaël Nkurunziza ein. Von einem Konflikt seien insbesondere junge Menschen stark betroffen, diese erhielten jedoch wenig Gehör. Aus diesem Grund entschied er sich, sich für den Frieden mit dem Netzwerk YELI zu engagieren. Das Ziel dieses Netzwerkes ist es, junge Menschen zu befähigen, miteinander in Austausch zu treten und den Frieden zu fördern. 

Eine andere Form der Friedensförderung schafft der Verein Anstoß zur Hoffnung mit Herbert Geissbauer. Sie nutzen Sport als verbindendes Element, um junge Menschen zusammenzubringen und sie zu Friedensbotschafter*innen auszubilden.

Im Gespräch mit Pater Dr. Déogratias Maruhukiro

Man sieht Pater Dr. Déogratias Maruhukiro, der eine Rede hält.
Im Gespräch mit Pater Dr. Déogratias Maruhukiro diskutierten wir, wie Frieden geschaffen werden kann © Franziska Kraufmann

Pater Dr. Déogratias Maruhukiro leitet das Cluster Friedensarbeit in der AMAHORO! Landespartnerschaft und arbeitet an er Universität Freiburg im Bereich der Friedensforschung.

Was bedeutet Frieden für dich?

Frieden ist für mich zuerst der innere Friede, der mich ins Gleichgewicht bringt. Denn wenn ich diesen inneren Frieden habe, dann kann ich den Frieden auch anderen schenken. Ich kann nichts schenken, was ich nicht habe. Der innere Frieden ist die Grundlage für jeden Frieden.

Was brauchen wir, um innerhalb einer Gesellschaft, aber auch zwischen Gesellschaften Versöhnung und Frieden voranzubringen?

Man braucht die Fähigkeit, den anderen zuzuhören und in den Dialog zutreten. In einem aktiven Konflikt ist es auch notwendig, dass ich in der Lage bin, mich in die Position des Anderen hineinzuversetzen. So kann ich verstehen, warum er mit mir in Konflikt gekommen ist.

Im Moment gibt es im Ostkongo einen Konflikt, in den auch Burundi und Ruanda involviert sind. Und im BW-Burundi Treffen haben wir uns die Frage gestellt: Wie können wir Frieden schaffen während der Konflikt noch im Gange ist? Was ist deine Antwort auf diese Frage?

Wir können Friedensarbeit während eines Konflikts leisten, indem wir Räume für Austausch und Frieden aufbauen und ermöglichen. Ermöglichen, dass Menschen in Dialog treten können. Das ist schon Friedensarbeit. Wir versuchen, dass Menschen mehr in Kontakt miteinander treten, sei es online oder in Präsenz. Begegnung ist die Grundlage von Frieden.

Um den Dialog im Afrika der Großen Seen voranzubringen, habt ihr ein Netzwerk von jungen Menschen gegründet. Wie heißt dieses Netzwerk und was macht es?

Im Rahmen unseres Clusters “Friedensarbeit” haben wir dieses neue Netzwerk mitgegründet. Es heißt Réseau de Jeunes pour la Paix dans la région des grands-Lacs RJP-GL (Deutsch: Jugend für den Frieden im Afrika der großen Seen). Dieses Netzwerk ermöglicht den Dialog zwischen Jugendlichen aus Burundi, der DR Kongo und Ruanda. Wir versuchen, eine Art Safe Space, einen Raum der Begegnung für die Jugendlichen zu schaffen. 
Es gibt schon eine gewisse Spannung zwischen Ruanda und Burundi. Die Grenzen sind geschlossen. Im Ostkongo herrscht ein Krieg, in den Burundi und Ruanda involviert sind. Dieses Netzwerk von jungen Menschen agiert als Brückenbauerin für den Frieden in und zwischen diesen Ländern. Wir versuchen sie zu unterstüzen, zu fördern und sie zu befähigen gegen Hassbotschaften, die auf Social Media kursieren, vorzugehen. Damit wir eine Art Entgiftung von Botschaften schaffen.
Wir bieten auch die Kolloquien Youth for Peace, Jugend für den Frieden, an. Im Jahr 2023 boten wir das erste Kolloquium in Burundi an, zu dem Jugendliche aus Burundi, Ruanda und der DR Kongo zusammen kamen. Letztes Jahr fand das Kolloquium im Ostkongo statt. Und dieses Jahr versuchen wir das Kolloquium in Ruanda anzubieten. Wir haben festgestellt, dass, wenn die Jugendliche zusammentreffen, eine Art Vertrauen zwischen ihnen existiert. Sie sehen sich als Freund*innen, Nachbar*innen. Wir müssen gemeinsam wachsen und gemeinsam den Frieden fördern. Das ist es, was wir erreicht haben und das ist es, was wir weitermachen wollen. Diese Friedensbrücken weiter aufzubauen, eine Identität des Afrikas der Großen Seen zu stiften. Unser Ziel mit dem Netzwerk ist es, dass die Jugendlichen sagen: Wir sind gleich, wir wollen gemeinsam wachsen, wollen gemeinsam den Frieden finden.

Begegnungen sind sehr wichtig. Es gibt ja auch Begegnungen zwischen Menschen aus Baden-Württemberg und Menschen aus Burundi. Denn seit über 40 Jahren gibt es die AMAHORO! Landespartnerschaft. Wie kann diese Partnerschaft dazu beitragen, Frieden zu fördern?

Krieg und Frieden sind wichtige Themen auf der Welt. Nicht nur in Afrika, sondern auch in Europa, wenn wir den Konflikt in der Ukraine betrachten. Menschen in Baden-Württemberg haben keine Erfahrung mehr mit Krieg, da sie seit über 50 Jahren in Frieden leben. 
Sie können von den Menschen vor Ort in Burundi etwas lernen: Wie schafft man Frieden, Begegnung? Dann kann Burundi den Leuten in Baden-Württemberg etwas zu Diplomatie beibringen. Auch wie sie mit Konflikten umgehen können. Das ist auch wichtig. Das andere ist auch, dass viele engagierte Menschen sich in Baden-Württemberg für den Frieden einsetzen. Viele Projekte sind ganz wichtig. Frieden ist nicht alles. Aber ohne Frieden, ist alles nichts. Deswegen plädiere ich, dass viele Menschen sich an dieser Friedensarbeit beteiligen und sie unterstützen, vor allem dieses neue Netzwerk; für die Friedensarbeit, nicht nur für Burundi, sondern für die Region der Großen Seen in Afrika.

Vielen Dank.

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AMAHORO! LANDESPARTNERSCHAFT BWIRKT! ENGAGIERTE IN BADEN-WÜRTTEMBERG PARTNER­SCHAFTS­GRUPPEN PARTNER­SCHAFTS­ZENTRUM

Veränderung beginnt in der Art, wie wir die Welt erzählen.

„Man kann nicht nicht kommunizieren“ sagte einst Paul Watzlawick. Das Zitat verdeutlicht, dass Kommunikation ein wichtiger Aspekt in der Zusammenarbeit mit Menschen ist. Dabei ist alles, was gesagt wird, von einer bestimmten Geschichte und Wertvorstellung geprägt. Was bedeutet das für die Öffentlichkeitsarbeit in entwicklungspolitischen Partnerschaften?

Ob das neueste Reel auf Social Media, das Plakat am Bahnhof oder der Nachrichtenbeitrag im Fernsehen – sie alle prägen unser Bild von der Welt.
Dabei erscheint es oft so, dass das, was wir sehen oder lesen, eine neutrale Perspektive auf die Welt hat. In der Realität ist jede Form der Kommunikation jedoch in einen geschichtlichen und gesellschaftlichen Kontext verwoben.

Im Fall der internationalen Partnerschaftsarbeit muss berücksichtigt werden, dass die Zusammenarbeit durch die (koloniale) Geschichte, gesellschaftliche Ungleichheiten und Stereotypen geprägt ist. Das zeigt sich oft auch in der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit sowie in der Bildsprache.
Als Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) wollen wir Bewusstsein aufbauen, damit Vorurteile, entwürdigende Bilder und Klischees nicht wiederholt oder sogar verstärkt werden. Dabei ist uns bewusst, dass auch wir immer wieder dazu lernen müssen.

Veränderung beginnt mit der Art, wie wir die Welt erzählen.

Entwicklungspolitik bedeutet für die SEZ Partnerschaftsarbeit zwischen dem sogenannten Süden und dem Norden, wofür gegenseitiger Respekt, Offenheit und ein Partnerschaftsverständnis benötigt wird. Eine reflektierte und diskriminierungssensible Öffentlichkeitsarbeit trägt dazu bei, Ungleichheiten zwischen dem sogenannten globalen Süden und dem Norden abzubauen, den gegenseitigen Respekt zu fördern und so die Welt gerechter zu gestalten. Die SEZ orientiert sich dabei an den Prinzipien des „Do No Harm“-Ansatzes, der auf eine würdevolle, diskriminierungssensible Kommunikation unter Verzicht der Reproduktion von Stereotypen abzielt.
Statt einseitiger Darstellungen sollte die Berichterstattung unserer Empfehlung nach die Vielfalt und Unterschiede von Menschen, Ländern und Gesellschaften widerspiegeln, Bilder und Geschichten zeigen, das Gemeinsame anstelle des Anderen darstellen. Es werden Strukturen, Ursachen und Kontexte aufgezeigt, die zu den Problemen führen, bei denen Projekte Abhilfe schaffen wollen.

Wie kommuniziert man facettenreich?

Eine facettenreiche Kommunikation besteht aus verschiedenen Bereichen. Als erste Orientierung können Sie sich folgende Fragen stellen:

  • Würde ich auf diese Art abgebildet werden wollen, wie ich es mit der Person auf dem Bild vorhabe?
  • Erhält der Text / das Bild die Würde des*r Beschriebenen/Dargestellten?
  • Werden die Personen als Akteur*innen oder als passive Objekte beschrieben/dargestellt?
  • Woran denke ich bei Afrika / Asien / Lateinamerika? Woran bei Europa? Wie unterscheiden sich meine Vorstellungen und wenn ja, weshalb unterscheiden sie sich?

4 Tipps für eine facettenreiche Kommunikation

  • Zusammenarbeit heißt, dass die Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Dies sollte auch in Beschreibungen verwendet werden. Wie stellen die Menschen sich selber dar? Welches Bild möchten sie nach außen tragen?
  • Vermeiden Sie einseitige Darstellungen eines Landes / einer Region. Zeigen Sie lieber die Vielfältigkeit der Gesellschaften, Kulturen und Landschaften
  • Informieren Sie die abgebildeten Menschen über den Zweck des Bildes und holen Sie ihr Einverständnis ein (Stichwort Datenschutz & Respekt)
  • Vermeiden Sie Bilde von Menschen ohne Namen und Funktion. Häufig werden Menschen aus dem Globalen Norden namentlich genannt, während Menschen aus dem Globalen Süden nicht genannt werden. Das erweckt den Eindruck, dass Menschen aus dem Globalen Norden wichtiger seien, als Menschen aus dem Globalen Süden. Tipp: Bei Bildern mit bis zu 5 Menschen Name und Funktion aller Abgebildeten nennen
 

Ihre Ansprechpartnerin

ANNA LEICHT

ÖA & Eventmanagement in AMAHORO! Landespartnerschaft zwischen BW & Burundi

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