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(POST)MIGRANTISCHE ORGANISATIONEN SEZ

Kommunale Partnerschaften gestalten vor Ort

OB Christoph Traub, Argyri Paraschaki-Schauer und Eric Kamguia auf dem Kommunalen Fachtag ©Fotonoid/SEZ

Der Kommunale Fachtag fand traditionell am Messefreitag im Rahmen der Messe Fair Handeln am 10. April in Stuttgart statt.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Kommunen in einer vielfältigen Gesellschaft die internationalen Erfahrungen, Perspektiven und Kompetenzen migrantischer Akteur*innen stärker einbeziehen und für die gemeinsame Gestaltung vor Ort und speziell auch in kommunalen Partnerschaften nutzen können?

In einem Impulsvortrag machte Kreisrätin Vera Sompon deutlich, dass migrantisches Wissen längst in den Kommunen vorhanden ist, oft jedoch  nicht ausreichend wahrgenommen oder systematisch genutzt wird. Der Fokus müsse sich daher verschieben: weg von der Frage nach dem „Ob“ hin zur Frage, wie dieses Wissen als wertvolle Expertise anerkannt und strukturell eingebunden werden kann. Dabei betonte sie, dass migrantisches Wissen weit über Sprache oder Herkunft hinausgeht und wichtige fachliche, gesellschaftliche und transnationale Perspektiven umfasst.

Wie lebendig und gewinnbringend solche Perspektiven sein können, zeigte das Praxisbeispiel der Städtepartnerschaft zwischen Reutlingen und Bouaké. Die seit 1971 bestehende Verbindung steht für Kontinuität, gegenseitiges Lernen und echtes Engagement über Kontinente hinweg. Die Beiträge aus Verwaltung, Stefanie Lehr, Zivilgesellschaft, Sabine Gross und aus Bouaké, Dr. Laka Coulibaly, machten spürbar, wie sehr persönliche Begegnungen, Vertrauen und gemeinsame Projekte diese Partnerschaft tragen und weiterentwickeln.

In der abschließenden Gesprächsrunde wurde die zentrale Frage des Fachtags nochmals aufgegriffen und aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit Argyri Paraschaki-Schauer (Geschäftsführerin des Landesverbandes der kommunalen Migrantenvertretung Baden-Württemberg) Christoph Traub (Oberbürgermeister der Stadt Filderstadt) und Eric Kamguia vom Interkulturellen Netzwerk Konstanz (INKO) diskutiert.

Ein gemeinsamer Tenor zog sich durch die Beiträge, die Potenziale migrantischen Wissens sind vorhanden – doch es braucht mehr als gute Absichten, um sie wirksam einzubinden. Strukturelle Hürden bestehen weiterhin, gleichzeitig wächst aber auch das Bewusstsein, dass Vielfalt eine zentrale Ressource für die Zukunftsfähigkeit von Kommunen ist und sie gezielt und verstärkt eingebunden werden soll.

Der Fachtag machte deutlich, dass konkrete Schritte gegangen werden sollten, um Räume für Beteiligung und Teilhabe zu schaffen und neue Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln. Er setzte damit wichtige Impulse für eine vielfältige und inklusive kommunale Zukunft.

Danke an alle Beteiligten, deren Referenzen und Arbeit Sie hier finden:

Das Buch “Vom Helfer zum Gamechanger” von Vera Sompon.

Die Arbeit des Landesverband der Kommunalen Migrantenvertretungen Baden-Württemberg.

Das Interkulturelle Netzwerk Konstanz (INKO) kennenlernen .

Städtepartnerschaften und internationale Partnerschaften der Stadt Filderstadt.

Der Städtetag Baden-Württemberg.

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AMAHORO! LANDESPARTNERSCHAFT FAIR HANDELN INTERVIEW SEZ

Durch Sport zum Frieden – mit Charles Nkazamyampi

Die burundische Sportlegende Charles Nkazamyampi war Gast auf der Fair Handeln. Im Interview mit Raïssa Mpundu, SEZ, betont er die Bedeutung von Sport ©SEZ/Fotonoid

Welche Rolle spielt Sport dabei, um Menschen näher zueinander zu bringen und soziale Spannungen abzubauen? Unter anderem diese Frage stellten wir uns beim BW-Burundi Netzwerktreffen auf der Messe Fair Handeln. Ein besonderer Gast war auch dabei: die burundische Sportlegende Charles Nkazamyampi.

1993 erlebte er einen persönlichen Schicksalsschlag. Zeitgleich zum Antritt bei der Hallenweltmeisterschaft über 800m in Toronto findet in Burundi der Bürgerkrieg statt. Charles Nkazamyampi erfährt einen Tag vor dem Finale, dass seine Familie im Bürgerkrieg in Burundi ums Leben gekommen war. Trotz dieses unfassbaren Verlustes gewann er am nächsten Tag die Silbermedaille – ein Moment, der weit über den Sport hinaus Bedeutung trägt und bis heute in Burundi erinnert wird.

„Ich bin für alle Burundierinnen und Burundier und für den Frieden in meinem Land gelaufen.” 

Mit seiner Fondation Charles Nkazamyampi engagiert er sich heute für Frieden und gesellschaftlichen Zusammenhalt durch Sport in Burundi.
Gerade in einer Zeit, in der die Friedensfrage in der Region der Großen Seen erneut an Brisanz gewinnt und die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2027 anstehen, stellt sich die zentrale Frage: Welche Kraft kann Sport entfalten, um Vertrauen zu stärken, Brücken zu bauen und nachhaltigen sozialen Zusammenhalt zu fördern?

Das Netzwerktreffen auf der Messe Fair Handeln bot Raum diese Frage zu diskutieren. Im Interview teilt Charles Nkazamyampi zudem, welche Bedeutung Sport für ihn hat und wie er ihn als Mittel zur Versöhnung einsetzt. Schon bei der Eröffnung der Messe hinterließ er mit seiner bewegenden Rede einen tiefen Eindruck:

„Was mich zu einem Gamechanger gemacht hat, war die Erkenntnis, dass sich der wahre Sieg an der Wirkung misst, die man erzielt – nicht an Medaillen.”

Egal wo Charles Nkazamyampi Menschen auf der Messe Fair Handeln begegnete, hinterließ er einen bleibenden Eindruck und Begeisterung. Bei einem Wettlauf hatten die Besucher*innen sogar die Möglichkeit, gegen ihn anzutreten. Im Gespräch erfahren Sie mehr über die Legende.

“Ich bin Friedensbotschafter” – ein Gespräch mit Charles Nkazamyampi

Wie alt waren Sie, als Sie mit dem Laufen angefangen haben? Was hat Sie dazu motiviert?

Schon als Kind bin ich viel gelaufen: Ich habe die Kühe gehütet und bin vier Kilometer zur Schule gelaufen. Nachdem ich von der Schule zurückgekommen bin, schickte man mich zu Erledigungen und ich rannte los. Das war mein Leben und das erfüllte mich.

Welche Bedeutung hat der Sport für Sie auch heute noch?

Der Sport hat mir in meinem Leben sehr geholfen. Zuerst hat er mir ermöglicht, einen Platz unter jungen Menschen in Burundi zu finden. Dann hat er mir ermöglicht, schon mit 15 Jahren in andere Länder zu reisen.

Mein erster internationaler Wettkampf war 1987 in Kongo-Brazzaville. An diesem Tag gewann ich zwei Silbermedaillen, eine im 800-Meter-Lauf und eine im 1500-Meter-Lauf. Zurück in Burundi wurde ich sehr herzlich empfangen. Das hat mich noch mehr motiviert. Im selben Jahr fanden die ersten Wettkämpfe der Frankophonie in Casablanca, Marokko, statt. In diesem Moment, begann ich, die Bedeutung des Sports zu begreifen. Dort traf ich Scouts aus Frankreich, die auf mich zukamen: „Wir kümmern uns um französischsprachige Jugendliche. Wir geben dir ein Stipendium, damit du nach Frankreich kommen kannst.“ Für mich ging ein Traum in Erfüllung.

Wie sieht der Alltag eines Spitzensportlers aus?

Zunächst einmal sind wichtige Eigenschaften die Leidenschaft, Entschlossenheit und Disziplin.
Man muss seinen Sport lieben, aber auch diszipliniert sein, um erfolgreich zu trainieren. Ohne Disziplin kommt man beim Sport nicht weit.
Als ich nach Frankreich ging, musste ich mein Training verändern. Ich fand einen Trainer mit viel Erfahrung. Außerdem wurde mir ein Arzt zur Seite gestellt, der mein Training und meine Gesundheit überwachte. Zuletzt hatte ich auch noch einen Manager, der sich um die internationalen Angelegenheiten kümmerte.

Ich habe dreimal am Tag trainiert: Ich stand um 5 Uhr auf, um 20 bis 25 Kilometer zu laufen. Am Vormittag hatte ich dann Krafttraining. Und am Nachmittag erhielt ich technisches Training auf der Bahn. Das hat mir geholfen, derjenige zu werden, der ich heute bin.

Im Jahr 1992 hatte ich ein Problem: Ich gehörte zu den drei besten Läufern im 800-Meter-Lauf auf der Welt. Es fanden die Olympischen Spiele in Barcelona statt. Doch ich konnte nicht teilnehmen, weil mein Land noch kein Mitglied des Olympischen Komitees war.

1993 habe ich an der Hallen-Weltmeisterschaft in Toronto teilgenommen. Damals gehörte ich wirklich zu den Besten. Aber mein Leben hat sich komplett verändert. Alle sagten mir zu Beginn: „Du weißt doch, was in Burundi alles vor sich geht.“ Es gab dort eine Tragödie.

Der Präsident wurde ermordet, und danach kam es zu Vergeltungsmaßnahmen. Was mich sehr erschüttert hat und meine Sichtweise völlig auf den Kopf gestellt hat: Ich bereitete mich gerade auf das Finale vor. Ich war der einzige Afrikaner, der ins Finale kam. Aber dann erhielt ich einen Anruf von meinem Bruder, der mir mitteilte, dass meine Eltern ermordet wurden.

Der Sport hat mir sehr geholfen, über mich hinauszuwachsen. Denn ich trug die Flagge Burundis. Wenn du so ins Finale kommst, geht es für dich um den Sieg, um dich, um dein Land. Bevor ich ins Flugzeug gestiegen bin, um anzutreten, sah ich schon, was in Burundi passierte. Dennoch dachte ich, dass ich Laufen möchte, um Burundi positiv zu beeinflussen. Nach dem Wettrennen sind viele Journalisten auf mich zugelaufen und fragten mich: „Es ist das erste Mal, dass ein Burundier die Medaille an der Weltspitze gewinnt. Ist Ihre Medaille eher den Hutus oder den Tutsis gewidmet?“ Für mich war die Antwort klar: Ich sei für eine Nation gelaufen, nicht für eine ethnische Gruppe. Ich bin Friedensbotschafter.

Vielen Dank, dass Sie diese schwierige Geschichte mit uns teilen. Heute arbeiten Sie gemeinsam mit Ihrem Partner “Anstoß zur Hoffnung” und führen Projekte rund um Sport und Frieden durch. Wie schlagen Sie die Brücke zwischen Sport und Frieden?

Sport trägt zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zur Versöhnung bei. Burundi hat mich als Sportvorbild auserkoren und mich geehrt, indem sie mich in die Schulbücher für die Grundschule aufgenommen haben. Ich sehe, dass die jungen Menschen in Burundi keine Perspektive haben. Deshalb muss ich etwas in meinem Land tun.

Mit den Aktivitäten habe ich im Jahr 2015 angefangen, als es Probleme mit der dritten Amtszeit gab. Das Projekt hieß „Sport – Einheit in der Vielfalt“. Also habe ich Sportveranstaltungen mit Jugendlichen und Polizisten organisiert, weil es damals ein Problem zwischen diesen Gruppen gab. Es war ein innovatives Format, um Versöhnung zu erreichen.

Denn Sport ist ein unverzichtbares Instrument für Frieden und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Für dieses Ziel habe ich die Charles Nkazamyampi Stiftung gegründet. Die Vision ist, die Jugend zu inspirieren, sich für Frieden und Fortschritt einzusetzen. Ihre Mission ist es, durch Sport Frieden zu fördern und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beizutragen, indem man junge Menschen dazu ermutigt, gemeinsam und selbstbestimmt zu arbeiten.

Mit Unterstützung der SEZ und Kickoff to Hope konnten wir landesweit Veranstaltungen organisieren, in denen wir eine Charta für den Einsatz für den Frieden eingeführt haben, die von christlichen und ethischen Werten geprägt ist. So geben wir jungen Menschen Werte mit auf den Weg. Wir bilden die jungen Menschen im Bereich Unternehmertum weiter und begleiten sie bei ihren Projekten. Ein letzter Punkt ist: Durch Werte wird die Mentalität von Jugendlichen verändert.

Zuerst nutzen wir die Kraft des Sports, um die Jugendlichen zueinander zu bringen. Danach verstehen sie, dass sie etwas tun müssen, um auch den Rest der Gemeinschaft zusammenzubringen und sie so zu verändern. Jetzt engagieren sie sich für wohltätige Zwecke, um Häuser für besonders bedürftige Menschen zu bauen. 

So haben wir in zwei Provinzen begonnen. Ich möchte die Aktivitäten jedoch landesweit anbieten. Aktuell bereitet sich unser Land auf die Präsidentschaftswahlen vor. Deswegen müssen wir unsere jungen Menschen beschäftigen, damit sie ihren Gemeinden helfen und nicht gewalttätig werden.

Um das zu erreichen, brauchen wir eine gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung. Denn in gewisser Weise ist die Verwaltung meine Partnerin vor Ort. Deshalb erreiche ich viele junge Menschen. Sie lieben den Frieden, den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Ich lade alle ein, sich mir anzuschließen und diese Projekte zu unterstützen, um die Aktivitäten auf das ganze Land auszuweiten. Wenn wir uns gut um die Jugend kümmern, schützen wir das Land.

Das Thema Frieden ist nicht nur für Ostafrika wichtig. Auch in Europa gibt es Krieg. Wie kann man die Vorteile des Sports nutzen, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken?

Man muss mit den Jugendlichen arbeitet, auf sie zugehen. Auf ihnen lastet die Zukunft doppelt. Oft sind sie untätig, entmutigt. Dabei sind sie die Zukunft. Also bringt ihnen ethische Werte bei.

Sport ist ein Instrument, das wir in den Vordergrund stellen und fördern sollten. Denn es geht nicht nur um den Frieden in Burundi oder in unserer Region, sondern weltweit. Die treibende Kraft sind die Jugendlichen. Wir müssen herausfinden, wie wir die Bemühungen der Jugendlichen kanalisieren können, um ihnen Werte zu vermitteln, die sie zu den Führungskräften von morgen machen. Das ist mein Engagement.

Es gibt viele andere Menschen, die in den Gemeinden und in Gemeinschaften arbeiten. Wir müssen Synergien schaffen, damit sich jeder einbringen kann. Gemeinsam können wir versuchen die Jugend zu inspirieren und die Gemeinschaft zu verändern. So werden die Jugendlichen zu Vorbildern in ihrer Gemeinde. So wird es weniger Konflikte geben, da Sport Menschen miteinander verbindet.

Es bringt mir Freude zu sehen, dass wir alle unterschiedlich sind. So muss es auch sein und das bringt die Gemeinschaft wieder zusammen.

Für die Zusammenarbeit im Sport gebe ich gerne als Beispiel Fußball. Eine Mannschaft besteht aus elf Spielern. Wenn sie gemeinsam in der Mannschaft spielen, haben sie eine gemeinsame Vision und Mission: Gewinnen.

Wir möchten, dass diese Zusammenarbeit aus dem Sport, auch in der Gemeinschaft gelebt wird. Gemeinsam sind wir stärker. Deshalb lade ich alle ein, mit der Stiftung zusammenzuarbeiten, damit wir jungen Menschen Hoffnung geben können.

Vielen Dank für das Interview und die inspirierenden Worte.

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BWIRKT! ENGAGIERTE IN BADEN-WÜRTTEMBERG SEZ

„bwirkt! vernetzt Partnerschaften“

Gruppenfoto des Vernetzungstreffens ©Fotonoid/SEZ

Zum Vernetzungstreffen „bwirkt! vernetzt Partnerschaften“ waren Vereine und Organisationen aus Baden-Württemberg eingeladen, die durch die bwirkt! Förderlinien finanziele Fördeurng und Beratung erhalten. Mit bwirkt! vergibt die SEZ über drei Förderlinien Landesmittel, die der Landtag von Baden-Württemberg bereitgestellt hat, an gemeinnützige Träger.  Ziel des Treffens war den Projekten Erfahrungsautausch zu ermöglichen, voneinander zu lernen und neue Impulse zu erhalten.

Vier baden-württembergische Vereine stellten ihre aktuell laufenden Projekte vor und zeigten Beispiele, wie vielfältig und dynamisch Partnerschaften gestaltet werden können. Dabei wurde deutlich, was das Engagement in Baden-Württemberg und in der Entwicklungspolitik ausmacht: hinter jeder Partnerschaft und jedem Projekt sind es die Menschen, die aufgrund ihres persönlichen Engagements, ihrer Kontakte und besonders starker Leistungsbereitschaft und Ausdauer Brücken bauen. Diese können so sehr standhaft sein und besitzen das Potential weiterzubestehen, auch wenn Finanzierung endet oder Schwerpunkte verändert werden. Die Beiträge machten sichtbar, dass Partnerschaften weit mehr sind als temporäre Projekte. Sie sind Beziehungen, die wachsen, sich weiterentwickeln und langfristig wirken.

Ein Highlight des Treffens war die lebendige und interaktive Vernetzung der Partnerschaftsgruppen. Dadurch entstanden in offener und lockerer Atmosphäre neue Kontakte und bestehende Zusammenarbeit wurde gestärkt.

Austausch und Qualifizierung zu einem fundamental wichtigen Thema in der Entwicklungspolitik bot der interaktive Vortrag „Do No Harm“ von Michaela Leiss. Mit praxisnahen Impulsen und anschaulichen Beispielen regte sie die Teilnehmenden dazu an, die eigene Projektarbeit kritisch zu reflektieren und sensibel für mögliche unbeabsichtigte Auswirkungen zu werden.

Das Vernetzungstreffen zeigte live, was passiert, wenn Wissen, Erfahrung und Engagement zusammenkommen: es entstehen Synergien, die weit über einzelne Projekte hinausreichen und gemeinsam wird noch mehr bewirkt.

Wir bedanken uns herzlich bei allen Teilnehmenden sowie insbesondere bei den Vortragenden: Nana Boahene (Ateliergemeinschaft Bahnhofstraße), Bastian Günther (Life e. V. / pro Ocean), Herbert Geissbauer, Charles Nkazamyampi (Anstoss zur Hoffnung e.V.) und Rebwar Omer Mohammed (Dalo e. V.).

Die Bildergalerie zur Veranstaltung:

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FAIR HANDELN INTERVIEW PARTNERSCHAFT NORDIRAK SEZ

Kalligrafie, die verbindet – mit Ziad Sheno

Ziad Sheno mit seiner Kalligrafie auf der Messe Fair Handeln ©SEZ/ Hasan Malla

Der Kalligraf Ziad Sheno war zu Gast auf der Messe Fair Handeln 2026. Mit feinen Linien und großer Präzision verbindet er kurdische, arabische und lateinische Schriftkunst – und schafft damit einen stillen Dialog zwischen Baden-Württemberg und dem Nordirak.

Die Partnerschaft zwischen den beiden Regionen war in diesem Jahr am Stand der SEZ auf der Messe Fair Handeln mit der Kalligrafie von Ziad Sheno und den Chonky Animals der Free Yezidi Foundation erlebbar. Ergänzt wurde das Angebot durch Kunst, Kultur, geteilte Erinnerungen und Projekteinblicke auf der Bühne der Messe mit Farida Khalaf, Paruar Bako und dem Duo Flumina. Wir danken allen Beteiligten, dem Netzwerk der Partnerschaft und allen Interessierten, die auf der Fair Handeln 2026 mit Neugier die Verbindung zwischen Baden-Württemberg und dem Nordirak kennengelernt haben.

Im Gespräch mit Ziad Sheno und den Fotos bietet sich Ihnen nun ein Einblick in seine Kunst, was Kalligrafie für den Künstler bedeutet – und warum sie für ihn weit mehr ist, als nur Schrift. Mehr eine Form der Meditation, ein Ausdruck innerer Gedanken und Gefühle. „Es ist eine Verbindung zwischen Hand, Herz und Geist“, beschreibt er seine Arbeit. In den feinen Linien seiner Werke wird den Betrachter*innen Ruhe sichtbar und zugleich eine tiefe emotionale Ebene spürbar.

Besonders eindrucksvoll ist seine Fähigkeit, verschiedene Schriftsysteme miteinander zu verbinden. Kurdische, arabische und lateinische Schrift treten in seinen Kunstwerken in einen Dialog – ganz ohne Worte. „Auch wenn man die Schrift nicht lesen kann, spürt man ihre Energie“, sagt er. Genau darin liegt für ihn die Kraft der Kalligrafie: Sie überwindet sprachliche Grenzen und schafft eine universelle Form der Verständigung.

Seine Wurzeln in Dohuk im Nordirak spielen dabei eine zentrale Rolle. Erinnerungen, kulturelle Prägungen und die eigene Sprache fließen unmittelbar in seine Werke ein und verleihen ihnen Tiefe und persönliche Bedeutung. Die Faszination für Kalligrafie entdeckte Ziad Sheno schon früh. In dem Moment, als er erkannte, wie aus einfachen Linien etwas Ausdrucksstarkes entstehen kann: “Seitdem hat mich die Kalligrafie nicht mehr losgelassen”. Besonders gerne schreibt Ziad Sheno Worte wie „Menschlichkeit“ und „Freiheit“ („Azadi“). Begriffe, die nicht nur inhaltlich, sondern auch visuell eine starke Wirkung entfalten.

Doch was bleibt, wenn Menschen – wie die Messebesucher*innen der Fair Handeln – seine Kunst erleben? Für Ziad Sheno ist die Antwort klar: ein Moment der Ruhe, ein Gefühl von Verbindung – vielleicht, so hofft er, auch Inspiration für etwas Neues. Wer seine Arbeiten weiter entdecken möchte, kann ihm bei Workshops, Ausstellungen und Veranstaltungen begegnen oder online – etwa auf Facebook unter seinem Namen – mit ihm in Kontakt treten.

Lieber Ziad Sheno, vielen Dank für die Einblicke in deine Arbeit und für diese besondere Form der Verbindung des Nordiraks und Baden-Württembergs auf der Messe Fair Handeln durch Kunst.

Was bedeutet Kalligrafie für Sie?

Für mich ist Kalligrafie mehr als nur Schrift – sie ist eine Form von Meditation und Ausdruck. Durch die Linien kann ich Gefühle, Gedanken und Ruhe sichtbar machen. Es ist eine Verbindung zwischen Hand, Herz und Geist.

Sie arbeiten mit kurdischer, arabischer und lateinischer Schrift. Wie kann Kalligrafie Ihrer Meinung nach Brücken zwischen Menschen, Kulturen und Ländern bauen?

Kalligrafie ist eine universelle Sprache. Auch wenn Menschen die Schrift nicht lesen können, spüren sie die Ästhetik und die Energie. Wenn ich kurdische, arabische und lateinische Schrift verbinde, entsteht ein Dialog zwischen Kulturen – ohne Worte.

Ihre Wurzeln liegen in Dohuk. Welche Rolle spielt Ihre Heimat in Ihrer Kalligrafie?

Meine Heimat Dohuk ist ein wichtiger Teil meiner Identität. Die Erinnerungen, die Kultur und die Sprache begleiten mich in meiner Arbeit. Sie geben meinen Werken Tiefe und eine persönliche Geschichte.

Erinnern Sie sich an den Moment, in dem Sie Kalligrafie für sich entdeckt haben?

Ja, das war ein besonderer Moment. Ich war fasziniert davon, wie aus einfachen Linien etwas so Ausdrucksstarkes entstehen kann. Seitdem hat mich die Kalligrafie nicht mehr losgelassen.

Gibt es ein Wort oder einen Satz, den Sie besonders gerne schreiben?

Ja, ich schreibe sehr gerne die Wörter wie „Menschlichkeit“ und „Freiheit“, (Azadi). Diese Worte haben eine starke Bedeutung und ich versuche, diese auch visuell spürbar zu machen.

Viele Besucher*innen haben Sie hier live erlebt. Was wünschen Sie sich, dass Menschen mitnehmen, wenn sie Ihre Arbeit sehen oder ein Stück Kalligrafie von Ihnen erhalten?

Ich wünsche mir, dass die Menschen einen Moment der Ruhe erleben und sich verbunden fühlen. Vielleicht entdecken sie etwas Neues oder fühlen sich inspiriert – das ist für mich das Wichtigste.

Und wenn jemand Ihre Kunst weiter entdecken möchte, wo kann man Sie oder Ihre Arbeiten finden?

Man kann mich bei Workshops, Ausstellungen und Veranstaltungen treffen. Außerdem teile ich meine Arbeiten auch online auf Facebook zum Beispiel unter Ziad Sheno. Ich freue mich immer über den Austausch mit interessierten Menschen.

Vielen Dank für das Gespräch und für diese besondere Form der Verbindung durch Kunst.

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FAIR HANDELN SEZ

Die Fair Handeln Messe 2026 in Stuttgart zeigt Veränderung

Aussteller im neuen Bereich Gamechanger ©Hasan Malla/SEZ

Die Fair Handeln Messe hat in diesem Jahr einen neuen Meilenstein erreicht. Mit dem Fokusthema "Gamechanger – Produkte und Ideen für ein besseres Morgen" hat die Messe eindrucksvoll bewiesen, wie zukunftsorientierte Ansätze den Weg für ein faires und nachhaltiges Leben ebnen können.

Der neue Ausstellungsbereich auf der Internationalen Leitmesse für faires und nachhaltiges Leben zog dabei zahlreiche Besucher an, darunter Fachleute, engagierte Bürger und Interessierte, die nicht nur einkaufen, sondern sich inspirieren lassen und Neues lernen wollten. Gamechanger steht dabei für innovative und transformative Ideen, die das Potenzial haben, bestehende Strukturen und Denkweisen grundlegend zu verändern und einen nachhaltigen Wandel in unserer Gesellschaft zu bewirken.

Zwei Fachkonferenzen setzten einen gemeinschaftlichen Schwerpunkt: Die Verbindung von Migration, Teilhabe und globaler Gerechtigkeit wurde nicht nur in der Entwicklungspolitischen Landeskonferenz thematisiert, sondern auch auf kommunaler Ebene am Fachtag mit lebhaften Diskussionen und Praxisbeispielen beleuchtet.

Ein Highlight war die inspirierende Rede des Vizeweltmeisters im 800m-Lauf und Friedensbotschafters aus Burundi, Charles Nkazamyampi, anlässlich der Eröffnung. Mit seiner persönlichen Botschaft, dass der wahre Sieg sich an der Wirkung misst, die man erzielt – nicht an Medaillen, hat er die Besucher dazu motiviert, selbst zu Gamechangern zu werden und aktiv an einer besseren Zukunft mitzuwirken.

Die Messe bot jedoch noch viel mehr: Vom Fairer-Handel-Bereich, der die Pioniere gerechterer Handelsbeziehungen versammelte, über den Sonderbereich “Future Fashion”, der mit nachhaltiger Mode überzeugte, bis hin zu den Repair-Cafés, zeigten die unterschiedlichen Ausstellungsbereiche, wie durchdachte Konzepte die Welt von morgen verbessern können. Der Aufruf von Philipp Keil, Geschäftsführendem Vorstand der SEZ, zu einer Haltung, die aus Menschen „Mitmenschen“ macht, ließ Besucher spüren, dass hier die Weichen für zukunftsfähiges Handeln gestellt werden.

Die Fair Handeln hat damit überzeugt, dass nachhaltiges und faires Leben im Hier und Jetzt beginnt. Mit der politischen Unterstützung und der breiten Akteursvielfalt auf der Messe trägt der Effekt der Fair Handeln weit über Stuttgart hinaus.

Wenn Sie zum Auftakt nicht dabei sein konnten, seien Sie beim nächsten Mal dabei, wenn Stuttgart erneut ein Zeichen für Veränderung setzt!

Impressionen von der Fair Handeln

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PARTNERSCHAFT NORDIRAK SEZ

Määäh! Das Partnersheep stellt sich vor

Määäh! Ich bin PartnersheepEin kleines Symbol für eine große Partnerschaft: Baden-Württemberg und Nordirak.

Ich wohne aktuell auf der Messe Fair Handeln am SEZ-Stand Nr. 7C40. Denn ich gehöre zum Team der SEZ. Aber ich bin mehr als ein Maskottchen.

Ich stehe für die Partnerschaft Baden-Württemberg und Nordirak. Entstanden bin ich im Projekt Chonky Animals der Free Yezidi Foundation. Handgefertigt von jesidischen Frauen, die sich neue Lebensperspektiven aufbauen. Als Partnersheep stehe ich symbolisch für:

  • Die Zusammenarbeit zwischen Baden-Württemberg und Nordirak
  • Wirtschaftliche Perspektiven für Frauen vor Ort
  • Hoffnung, Wiederaufbau und neue Lebenswege

Bereits durch die SEZ und Landesmittel geförderte Projekte der Free Yezidi Foundation:

Erfahren Sie vom 9. bis 12. April am SEZ-Stand auf der Messe Fair Handeln mehr über die Projekte und entdecken Sie dort meine Freund*innen aus dem Nordirak.

Ich freue mich, Sie auf der Määähsse Fair Handeln kennenzulernen!

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PARTNERSCHAFT NORDIRAK SEZ

Newroz pîroz be – zum Neujahrsfest im Landtag

Zum Newroz-Fest kamen zahlreiche Vertreter*innen aus der Zivilgesellschaft und Politik in den Landtag von Baden-Württemberg © Kurdische Gemeinde Baden-Württemberg

Am Freitag, den 20. März, hat die Kurdische Gemeinde Deutschland sowie ihr Landesverband Baden-Württemberg zum Newroz-Empfang in den Landtag Baden-Württemberg eingeladen.

Newroz ist eines der wichtigsten Feste des kurdischen Volkes und markiert den Beginn eines neuen Jahres. Der Tag steht für Erneuerung, Hoffnung und Frieden. Beim offenen Austausch wurde deshalb anregend über gesellschaftlichen Zusammenhalt, politische Verantwortung und gemeinsame Zukunftsperspektiven diskutiert:

„Ohne das Engagement der vielen Mitglieder der Kurdischen Gemeinde Deutschland, insbesondere des Landesverbands Baden-Württemberg, wäre diese Partnerschaft [mit dem Nordirak] nicht möglich“, sagte Staatssekretär Florian Haßler.

Gerade in einer Zeit, die für Kurdi*innen und viele Menschen weltweit besonders herausfordernd sind, sind Feste, die Menschen zusammenbringen, wichtiger denn je.

Im Rahmen der Partnerschaft Baden-Württemberg und Nordirak wurde der Newroz-Empfang durch die Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg mit Mitteln des Landes unterstützt.

An alle Interessierten an der Partnerschaft: Feiern Sie mit uns den Frühling auf der Fair Handeln. Mit vielseitigen kulturellen Angeboten haben Sie auf der Messe Stuttgart die Möglichkeit, die Partnerschaft zwischen Baden-Württemberg und Nordirak zu erleben.

Ihre Ansprechperson

NADINE ELGHONIMY

Projektkoordination Dohuk und AMAHORO! Landespartnerschaft

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AMAHORO! LANDESPARTNERSCHAFT SEZ

Die Zusammenarbeit zwischen Universitäten stärken

Vertreter*innen verschiedener Universitäten in Burundi kamen zusammen, um die Zusammenarbeit zu stärken. © SEZ

Am 27. Februar 2026 kamen Vertreter*innen verschiedener burundischer Universitäten auf dem Gelände von Mont Sion in Bujumbura zusammen.

Im Mittelpunkt stand der Austausch zwischen den Universitäten mit dem Ziel, ein akademisches Netzwerk zu etablieren und die wissenschaftliche Zusammenarbeit zu stärken. Dieses Netzwerk soll insbesondere Perspektiven für gemeinsame Forschungsarbeiten identifizieren und wissenschaftliche Publikationen vorantreiben. 

In diesem Zusammenhang soll das Girubuntu Institute for Peace and Reconciliation Studies (GIPRES-Mont Sion) errichtet und weiterentwickelt werden. Das Institut wird wissenschaftliche Erkenntnisse erarbeiten, um die Bildungsqualität zu verbessern, Innovationskapazitäten zu stärken und zur Entwicklung beizutragen. Der Aktionsplan 2026–2030 sieht insbesondere die Schaffung der administrativen Strukturen ab 2026 sowie die Einführung der Ausbildungsprogramme ab 2027 vor. 

Das Vernetzungstreffen wurde vom Cluster „Friedensarbeit“ zusammen mit der SEZ im Rahmen der AMAHORO! Landespartnerschaft veranstaltet.

Ihre Ansprechpartnerin

Raïssa Mpundu

Projektkoordinatorin bwirkt! Burundi und Partnerschaftsarbeit

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AMAHORO! LANDESPARTNERSCHAFT JUNGE AKTIVE SEZ

Durch Partnerschaften das Leben von Menschen verbessern

Während des Besuches der Liberating Education Organization bei Together for Development in Burundi begann die Partnerschaft. Die Interviewten sind Nils Rauscher und Ephraim Ngendakuriyo (1. und 3. v.l.) © LEO

Seit 2025 verbindet Ephraim Ngendakuriyo und Nils Rauscher eine Partnerschaft. Beide hoffen, das Leben von Gemeinschaften durch zugängliche Bildung zu verbessern. Ephraim Ngendakuriyo gründete zu diesem Zweck die Organisation Together for Development – Birashoboka, während Nils Rauscher Mitbegründer der Liberating Education Organization ist. In diesem Interview erzählen sie uns, wie sie das Leben von Menschen verändern wollen und was eine gute Partnerschaft ausmacht.

Könnt ihr euch und eure Organisationen kurz vorstellen?

Ephraim: Meine Organisation heißt „Together for Development – Birashoboka”. Birashoboka bedeutet auf Kirundi „Es ist möglich”. Meine Vision ist es, ein ganzheitliches System zu etablieren, damit ganze Gemeinden ein besseres Leben haben können. Viele Menschen sind so talentiert, wissen aber nicht, wie sie ihre Talente einsetzen können. Wir zeigen ihnen, wie sie ihre Talente nutzen können und was aktuell benötigt wird. Nachdem wir sie geschult haben, werden sie Teil unseres nachhaltigen Projekts. Wir unterstützen Frauen dabei, gewalttätige Beziehungen zu verlassen. Anschließend vermitteln wir ihnen Fähigkeiten, die ihnen in ihrer Selbstständigkeit und ihrem Leben helfen. Das ist unsere Mission: Hoffnung denjenigen bringen, die keine Hoffnung mehr haben. Wir hoffen, dass das Projekt den Menschen helfen wird, ihre Gemeinschaft zu stärken. Diese Vision macht mich aus. 

Nils: Vor zweieinhalb Jahren haben wir mit Liberating Education Organization (LEO) begonnen, mit dem Ziel, die tertiäre Bildung (Berufsbildung und Bildung an Hochschulen, Anm. d. Redaktion) weltweit zugänglicher zu machen. Für viele junge Menschen ist es sehr teuer, zur Universität zu gehen, in größere Städte zu ziehen und einfach nur eine Hochschulbildung zu erhalten. Der wahre Wert von Bildung zeigt sich erst, wenn man sich beruflich spezialisieren kann. In vielen Regionen ist diese Art der Bildung jedoch schwer zugänglich. Wir haben unsere Organisation gegründet, um jungen Menschen den Zugang zu Bildung zu erleichtern. Denn am Ende bauen gebildete Menschen Gemeinschaften wie in Burundi auf. Wie du hörst, passen die Ideen von Ephraim und uns ziemlich gut zusammen. Deshalb ist es sehr schön, ihn gefunden zu haben.

Durch Bildung Gemeinschaften stärken. Das ist euer gemeinsames Ziel. Wie kam es zu eurer Partnerschaft? 

Nils: Es war eine unkomplizierte Ehe durch die SEZ. Wir haben mit einigen Mitgliedern der SEZ und des Landtags darüber gesprochen, ein solches Projekt in Burundi durchzuführen. Und dann haben sie Ephraim gefunden. Es war perfekt.

Ephraim: Zuerst wurden wir einander vorgestellt und wir begannen miteinander zu reden. Wenn man miteinander redet, findet man heraus, was möglich ist. Als sie Burundi besuchten, sahen sie, wer wir sind, und wir sahen, wer sie sind. Die Dinge nahmen ihren Lauf.

Ephraim Ngendakuriyo stellt den Nähsaal vor. © LEO

Nils: Ephraims Projekt ist eines der beeindruckendsten Projekte, die ich je gesehen habe: Es handelt sich um ein Gemeindezentrum in Nyanza Lac, das seinen ganzheitlichen Ansatz wirklich widerspiegelt.

Es gibt separate Gebäude mit unterschiedlichen Funktionen. LEO ist nur ein Teil davon, und darauf sind wir sehr stolz. In diesem Zentrum gibt es Räume, in denen Menschen sich in Landwirtschaft und neuen Praktiken weiterbilden können. Es gibt die Idee, ein Gästehaus, ein Café und ein kleines Restaurant für die Mitglieder der Gemeinde zu bauen. Es gibt einen großen Gemeindesaal für öffentliche Veranstaltungen.

Es gab bereits Projekte für Sexarbeiterinnen oder junge alleinstehende Frauen, die Probleme haben, ihre Familien zu ernähren. Seine Organisation bringt ihnen das Nähen bei.

Ephraim: Im letzten Jahr haben 354 Menschen dieses Programm absolviert.

Nils: Als wir dort waren, hatten wir die Gelegenheit, einige der Menschen zu treffen, die an dem Programm teilgenommen haben. Man konnte wirklich sehen, wie sich ihr Leben verändert hat. Es gibt einen kleinen Laden, in dem sie die Dinge verkaufen, die sie nähen. Es ist ein großes Ökosystem, und jetzt schließen wir uns mit dem Computerraum an. Wir haben Photovoltaik-Anlagen installiert, die das gesamte Zentrum mit Strom versorgen.

Wir werden Universitätskurse aus aller Welt anbieten. Dabei werden wir auch versuchen, eine sehr praktische Ausbildung anzubieten, die sie sofort anwenden können: z. B. die Gründung eines kleinen Unternehmens, mehr Wissen über Landwirtschaft oder Programmieren, um bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben. 

Wir werden versuchen, eine Vielzahl von Kursen anzubieten, die von Nutzen sein können. Dank der Finanzierung sind wir auch flexibel genug, um Kurse anzubieten, die speziell auf die Bedürfnisse der Menschen in Nyanza Lac zugeschnitten sind. Es wird Programme zu Unternehmertum und digitaler Kompetenz geben, Programme zu Landwirtschaft, Viehzucht, Klimawandel und mehr. Wir freuen uns darauf, nicht nur unsere Kurse anzubieten, sondern uns auch an das Ökosystem anzupassen, das Ephraim sich vorgestellt hat.

Wie wollt ihr das Ökosystem ergänzen?

Nils: Eine sehr konkrete Möglichkeit besteht darin, Menschen, die bereits an Ephraims Programm teilnehmen, Unternehmertum und Finanzkompetenz zu vermitteln. Auf diese Weise lernen sie, wie sie ihr Unternehmen führen und ausbauen können. Möglicherweise erhalten sie auch weitere Ideen, wie sie ihr Geschäft auf neue Bereiche ausweiten können. Unser Programm passt sehr gut zu diesem Ort, da hier bereits ein starkes Bewusstsein für Bildung vorhanden ist. Durch die digitalen Geräte hat der Ort Zugang zum gesamten Wissen der Welt. Deshalb wollen wir sehr flexibel bleiben und uns an die Bedürfnisse der Menschen dort anpassen. Im Laufe der Zeit werden noch viele Dinge hinzukommen.

Ephraim: Im Gemeindezentrum können wir alles unterrichten. Die Gemeinde kann beispielsweise durch Videos von Menschen lernen, die in der Landwirtschaft oder Viehzucht erfolgreich sind. Wir kochen nahrhaften Brei für unterernährte Kinder und produzieren selbst Soja und Mais. Wir bringen den Menschen bei, wie man Gemüse anbaut, aus dem wir natürliche Seife herstellen. Computerkenntnisse sind ebenfalls ein wichtiger Pfeiler unserer Bildung: um zu wissen, was in der Welt geschieht, und um von anderen zu lernen. Mit Computern vermitteln wir jungen Menschen, die keine Möglichkeit haben, die Highschool oder Universität zu besuchen, Fähigkeiten, die ihnen helfen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Unsere Idee ist es, Frieden zu stiften, zum Beispiel mit Fußball. Wir haben während des Krieges sehr stark gelitten. Jetzt nutzen wir den Sport als eine Art Therapie für die Gemeinschaft. Wir wollen vom Süden bis zum Norden strahlen und der Gemeinschaft alle Fähigkeiten vermitteln, die den Menschen helfen können, ihr Leben zu verbessern. Mit dem Zentrum kann das Licht über Nyanza Lac und über die Landesgrenzen hinaus strahlen.

Wie funktioniert der Unterricht im Computerraum?

Ephraim: Die Menschen zahlen eine geringe Gebühr für die Instandhaltung des Angebots und des Raumes. Für diejenigen, die sich das nicht leisten können, bieten wir eine Finanzierung an. Nach drei bis sechs Monaten findet ein weiterer Kurs statt. Nachdem die Teilnehmenden neue Fähigkeiten erworben haben und den Berufseinstieg geschafft haben, möchten wir sie noch weiter beratend begleiten. Das Programm soll die Teilnehmenden während ihres gesamten Lebens unterstützen.

Nils: Die Gebühr ist eher symbolisch zu verstehen. Wir stellen manchmal fest, dass Menschen Dienstleistungen nicht richtig wertschätzen, wenn sie kostenlos angeboten werden. Die Lehrkräfte und die gesamte Infrastruktur werden hauptsächlich vom Land Baden-Württemberg finanziert.

Ihr habt eure Partnerschaft als unkomplizierte Ehe bezeichnet. Wie bleibt eine Partnerschaft unkompliziert?

Nils: In diesem speziellen Fall ist es eine der unkompliziertesten Partnerschaften, die wir haben. Unsere Interessen und unsere Programme passen einfach perfekt zusammen. Das von Ephraim vorgestellte Ökosystem ist fast perfekt für das, was wir tun wollen. Eine Partnerschaft erfordert natürlich viel Kommunikation und Transparenz. Man muss sich viel Zeit nehmen, um alles zu klären. Der Schlüssel für diese Partnerschaft ist, dass die Ideen und Interessen übereinstimmen. In Fällen, in denen wir nicht übereinstimmen, sind beide Organisationen sehr offen für Anpassungen. Aber 80 % stimmen perfekt überein. Für die restlichen 20 % kommunizieren wir viel, um eine gemeinsamen Nenner zu finden.

Ephraim: Wir haben auch ein gemeinsames Ziel. Wir kommunizieren viel und sind für alles sehr flexibel. Das macht unsere Partnerschaft nachhaltig. Wir bewerten alles gemeinsam. Wir hoffen, ein gutes Ergebnis für unsere Begünstigten zu erzielen, und sind beide leidenschaftlich daran interessiert, den Menschen, die wir unterstützen, ein besseres Leben zu ermöglichen.

Wie kann die AMAHORO! Landespartnerschaft Baden-Württemberg und Burundi näher zueinander bringen?

Nils: Für mich und viele andere, die mit uns zusammenarbeiten, ist es wahrscheinlich das erste Mal, dass wir von Burundi hören. Kooperationen mit dem privaten Sektor sind sehr wichtig, weil die Menschen so das andere Land kennenlernen. Wir haben viel mit Philipp [Keil, Anm. d. Redaktion] darüber gesprochen, wie wir nicht nur eine Einbahnstraße haben können, sondern auch von der burundischen Kultur, Lebensweise und dem Wissen lernen können.

Ephraim: Die AMAHORO! Partnerschaft kann dabei helfen, Organisationen und Menschen mit einem gemeinsamen Ziel zusammenzubringen. Was wir einzeln tun, mag sehr effektiv sein, aber gemeinsam können wir noch mehr erreichen. Durch die Zusammenarbeit erzielen wir bessere Ergebnisse für alle Begünstigten, insbesondere im Bildungsbereich. Wenn man jemanden ausbildet, verändert man seine Denkweise. Wir müssen unser Wissen teilen. Das würde uns helfen, zusammen zu kommen. Wir sollten auch unsere Kulturen zwischen Ländern und Organisationen teilen. In Kirundi sagen wir: Drei sind mehr als einer. Wenn wir Synergien zwischen Organisationen entwickeln, können wir vorankommen.

Gibt es etwas, das ihr ergänzen möchtet?

Ephraim: Die SEZ war ein Katalysator zwischen unseren Organisationen. Wir laden die SEZ ein, mit uns zusammenzuarbeiten, um in Burundi und in unserer Zusammenarbeit mehr Wirkung zu erzielen. Ihr habt bereits damit begonnen, indem ihr mir geholfen habt, Nils kennenzulernen.

Nils: Vielen Dank an SEZ für die Unterstützung bei der Suche nach einem Partner in eurem Netzwerk. Ihr hättet nichts besser machen können. Wir haben bereits darüber nachgedacht, wie wir über Nyanza Lac hinaus mit weiteren Standorten in Burundi expandieren können.

Vielen Dank

Ihre Ansprechpartnerin

ANNA LEICHT

ÖA & Eventmanagement in AMAHORO! Landespartnerschaft zwischen BW & Burundi

Kategorien
AMAHORO! LANDESPARTNERSCHAFT SEZ

Ökologische Resilienz in Burundi stärken

Das Ziel der Organisation Greening Burundi ist es, Bäume in Burundi zu pflanzen und so die Auswirkungen vom Klimawandel abzumildern © Greening Burundi

In Kooperation mit der SEZ hat Greening Burundi eine neue Kampagne gestartet:  mehr Baumschulen für Obst-, Agroforst- und einheimische Baumarten.

Unter dem Motto „Baumschulen im Herzen der gemeinschaftlichen und ökologischen Resilienz“ reagiert die Initiative von Greening Burundi auf die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels in Burundi, insbesondere auf Dürren, Überschwemmungen und die fortschreitende Bodendegradation. In der Provinz Bubanza sind beispielsweise zwischen 2020 und 2023 fast 26 Hektar natürlicher Wald verschwunden. 

Im Rahmen dieser Kampagne wurde im Juni 2025 in Bubanza eine Baumschule eingeweiht. Im Dezember 2025 fanden in den Ortschaften Giko, Nyagonga und Kanama Pflanzaktionen und die Verteilung von Setzlingen statt. Insgesamt wurden 3.536 Setzlinge an Schulen übergeben und auf gemeinschaftlichen Flächen von 60 Haushalten eingepflanzt. 

Diese Initiative fördert nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken und bindet die lokalen Gemeinschaften ein, indem sie sie in den Mittelpunkt der Wiederaufforstungs- und Wiederherstellungsmaßnahmen stellt. 

Ihre Ansprechpartnerin

Fatoumata Djomeda

Verbindungsbüro Burundi Verwaltung und Finanzen

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