„Klimaschutz und Klimagerechtigkeit müssen gelebt werden“

„Wir in Bangladesch zahlen den Preis für den Klimawandel“, rief Anjalina Diana Podder, Abteilungsleiterin des Klimareferats der Bischöflichen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der Bischofskonferenz Bangladesch, den Teilnehmenden des 6. Stuttgarter Forums für Entwicklung zu.

Und dann zählte sie die Fakten auf. Weniger Regen und Verschiebung der Regenfälle, weniger Trinkwasser und weniger Wasser für die Landwirtschaft, Ernteverluste, zunehmende Versalzung des Grundwassers und der Böden in den Küstengebieten und heftige Wirbelstürme sind die nicht mehr zu übersehenden Auswirkungen des Klimawandels.

Die Folge - eine zerstörte Umwelt. Den Menschen in den betroffenen Gebieten bleibt nichts anderes mehr übrig als wegzuziehen. Ihr Ziel sind die großen Städte des Landes, die mit dem Ansturm der Klimaflüchtlinge völlig überfordert sind. Mindestens genauso schlimm wie die Auswirkungen auf die Umwelt sind die sozialen Auswirkungen des Klimawandels. „Am meisten leiden die Frauen und Kinder darunter“, so Anjalina Diana Podder. Weil die Klimaflüchtlinge so arm sind, müssen die Kinder arbeiten und können nicht zur Schule gehen. Und immer wieder fallen Frauen, die auf Arbeitssuche sind, Menschenhändlern in die Hände oder sie werden vergewaltigt. Wer einmal vor den Folgen des Klimawandels geflüchtet ist, hat keine Chance, je wieder nach Hause zurückzukehren.“

Das 6. Stuttgarter Forum für Entwicklung, so Podder, könne eine Brücke sein zwischen Deutschland und Bangladesch. Deutschland könne von den Erfahrungen lernen, die die Menschen in Bangladesch mit den Folgen des Klimawandels machen und schon gemacht haben. Und es könne die Menschen hier dazu sensibilisieren, „sich für einen Lebensstil zu entscheiden, der uns in Bangladesch hilft, mit den Folgen des Klimawandels besser fertig zu werden.“

„Jede und jeder einzelne von uns muss mehr Verantwortung übernehmen“, forderte Philipp Keil, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ). „Der Klimawandel ist im Wesentlichen durch uns im Norden ausgelöst. Wir verursachen ihn und die Menschen aus dem globalen Süden müssen mit den Konsequenzen leben.“ Klimagerechtigkeit bedeute, so Keil weiter, dass jeder Mensch die gleichen Nutzungsrechte an der Atmosphäre habe und alle dafür die gleiche Verantwortung übernehmen müssten, dass die menschengemachte Erwärmung nach Möglichkeit vermieden werde. Die Agenda 2030 mit ihren Nachhaltigkeitszielen habe unmissverständlich deutlich gemacht, dass ökologische und ökonomische Fragestellungen miteinander verbunden seien.

In diesem Zusammenhang verwies Keil auch auf die Förderung von Kleinstprojekten im Bereich Klimaschutz durch die SEZ. „Wir sind auch Partner für die Landesregierung, wenn es um Fragen der Klimakompensation geht. Am vergangenen Montag habe ich im Nordirak eine Solaranlage im Flüchtlingscamp Mam Rashan an die kurdische Regierung übergeben. Dies ist ein einzigartiges und innovatives Projekt in einer Region, in der die Herstellung von Sonnenenergie überfällig ist.“

Stefan Wilhelmy, Bereichsleiter der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global, hob die Verantwortung und das Engagement der Kommunen in Sachen Klimaschutz und Klimagerechtigkeit hervor. Gerade für Kommunen sei das Motto des 6. Stuttgarter Forums für Entwicklung ein zentrales Thema. „Sie können beispielsweise durch CO2-Einsparungen in Deutschland einen ganz wesentlichen Beitrag zur Verringerung der Klimaerwärmung leisten. Sie können aber auch über Projekte mit ihren Partnern im globalen Süden sich für weltweite Klimagerechtigkeit einsetzen. Dabei unterstützen wir die Kommunen sehr gerne.“ In diesem Zusammenhang verwies er auf das Projekt Kommunale Klimapartnerschaften und betonte: „Der Grundgedanke des Projekts ist es, die fachliche Zusammenarbeit deutscher Städte mit Kommunen im globalen Süden in den Bereichen Klimaschutz und Klimaanpassung zu stärken und Handlungsprogramme für die langfristige Zusammenarbeit zu erarbeiten. Das Projekt zählt inzwischen weltweit 60 kommunale Klimapartnerschaften. Davon entfallen 12 auf das Land Baden-Württemberg.“ Unter anderem hat der Enzkreis eine Klimapartnerschaft mit dem Masasi-District in Tansania.

Staatssekretärin Gisela Splett vom baden-württembergischen Finanzministerium betonte in ihrem Grußwort die Verantwortung auch des Landes Baden-Württemberg für die Bekämpfung des Klimawandels. „Wir haben schon sehr viele Maßnahmen ergriffen. Aber wir müssen bei unseren Anstrengungen noch einen Zahn zulegen.“ Das Land allein könne in vielen Handlungsfeldern den Hebel nicht rumreißen. „Wir brauchen eigene Anstrengungen, aber wir brauchen eben auch die richtigen Rahmensetzungen auf internationaler und nationaler Ebene. Deshalb ist es auch so wichtig, international zu kooperieren.“

Klimaschutz sei eine Querschnittsaufgabe, so Splett, die alle Ressorts angehe und alle politischen Ebenen betreffe. „Klimaschutz und Klimagerechtigkeit müssen gelebt werden. Die Politik braucht eine breite gesellschaftliche Unterstützung, um die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen.“ Das 6. Stuttgarter Forum sei eine wichtige Unterstützung auf diesem Weg.

Das 6. Stuttgarter Forum für Entwicklung wird von der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) bereits zum dritten Mal in Kooperation mit Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global und rund 40 weiteren Institutionen ausgerichtet. Am diesjährigen Stuttgarter Forum nahmen rund 550 Besucherinnen und Besucher teil.

Kontakt für die Presse:

Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) Beate Wörner, Tel.: 0711 / 2 10 29-40, E-Mail: woerner@sez.de

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Keynotespeakerin Anjalina Diana Podder
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Philipp Keil, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg
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Eröffnungsveranstaltung des 6. Stuttgarter Forum für Entwicklung
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Staatssekretärin Dr. Gisela Splett, Ministerium der Finanzen Baden-Württemberg
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Dr. Stefan Wilhelmy, Bereichsleiter der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global
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