Klamotten, Klima und Konsum

Statement von Philipp Keil, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) anlässlich der Eröffnungspressekonferenz Frühjahrsmessen 2019

Die Messe Fair Handeln ist Schaufenster und Wegweiser zugleich. Sie zeigt eine Vielfalt nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen und sie greift in ihrem Rahmenprogramm aktuelle Themen und Trends auf.

Mit Future Fashion hat die Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) bereits vor drei Jahren ein Thema aufgegriffen, das inzwischen kräftig an Fahrt aufgenommen hat und immer mehr im Mainstream ankommt. Future Fashion, das ist die Bewegung der SEZ für nachhaltige Textilien und bewusstes Konsumverhalten. Damit setzen wir auf die Eigenverantwortung aller Baden-Württembergerinnen und Baden-Württemberger, Mode nicht einfach nur zu konsumieren, sondern mit dem Kauf von Kleidung ganz bewusst ein Statement zu setzen für Nachhaltigkeit, für den Schutz von Ressourcen und vor allem auch für mehr Klimagerechtigkeit.

Die meisten Textilien, die wir kaufen, landen – kaum getragen – innerhalb kurzer Zeit im Altkleidercontainer. Jahr für Jahr kommen so allein in Deutschland rund 1,35 Millionen Tonnen ausgemusterte Textilien zusammen. Etwa drei Viertel davon gehen zu Wiederverwertern, ein Viertel landet im Müll. Der seit Jahren anhaltende Trend zu Billigklamotten lässt die Qualität der Textilien immer weiter sinken und erschwert die Wiederverwertung der Fasern.

Laut Statistischem Bundesamt verursacht jede und jeder in Deutschland pro Jahr etwa 200 Kilogramm CO2-Emissionen für Kleidung und Textilien. Würden mehr Menschen ihr Konsumverhalten ändern und nachhaltige Mode kaufen und die Kleidung länger tragen, ließe sich allein dadurch einiges an klimaschädlichem Kohlendioxid einsparen, ohne dass wir auf vermeintliche Lebensqualität verzichten müssten.

Seit Monaten gehen Kinder und Jugendliche für mehr Klimaschutz auf die Straße. Mit den Fridays for Future fordert die junge Generation von uns allen, nicht nur von der Politik, unseren Worten endlich auch Taten folgen zu lassen.

Future Fashion und unser Klima

Future Fashion trifft den Nerv der jungen Menschen in Baden-Württemberg. Kleidertauschpartys, Future-Fashion-Stadtrundgänge und Future Fashion@school – das Interesse an nachhaltiger Mode ist groß und wächst ständig. Dieses ungebrochene Interesse zeigt sich auch auf der diesjährigen Messe Fair Handeln mit ihrem Sonderausstellungsbereich Future Fashion, der einen zentralen Platz einnimmt. Wir freuen uns, dass wir auch 2019 viele coole Labels dafür gewinnen konnten, sich auf der Fair Handeln zu präsentieren. So zum Beispiel Franziska Kaiser aus Stuttgart, die aus Lederresten stylishe Taschen macht. Sie wird nicht nur ihre Modelle zeigen, sondern sogar mit einer kleinen Werkstatt auf der Fair Handeln sein. Sarah Müller ist mit dem von ihr gegründeten kenianischen Label Nyuzi Blackwhite vertreten. Taschen, Beutel, Tücher und Anderes sind alles Upcycling-Produkte. Sie werden in dem sozialen Projekt Karai Childrens Vocational Centre in Kenia hergestellt.

Es führt kein Weg daran vorbei, unser eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen und vor allem zu ändern, hin zu mehr Nachhaltigkeit. Nur so kann es uns gelingen, die Erderwärmung auf ein noch erträgliches Maß zu begrenzen. Schon jetzt sind die Folgen des Klimawandels in Ländern des globalen Südens deutlich spürbar. Beispielsweise in Bangladesch, dem Land, aus dem ein Großteil unserer Textilien kommt und das in den vergangenen Jahren aufgrund der skandalösen Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken immer wieder in den Schlagzeilen war.

Bangladesch gehört zu den Ländern, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind, obwohl es nur 0,4 Prozent zu den globalen CO2-Emissionen beiträgt. Bis 2100 werden etwa 30 Prozent der Küstengebiete des Landes überflutet sein, eine Folge des durch den Klimawandel ansteigenden Meeresspiegels. Doch schon heute sind die Auswirkungen der Erderwärmung in dem südasiatischen Land deutlich zu spüren.

Unser Konsumverhalten beeinflusst das Leben vieler Menschen, auch wenn uns das oft nicht bewusst ist. Zu den Aufgaben der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg gehört es, auf solche Zusammenhänge aufmerksam zu machen. Auch und gerade die Messe Fair Handeln ist ein Podium, das wir dafür nutzen wollen.

Start-ups aus Afrika

Unser zweiter Schwerpunkt neben Future Fashion ist die Partnerschaft mit Afrika. Wir wollen unser Netzwerk mit jungen afrikanischen Sozialunternehmerinnen und ‑unternehmern weiter auf- und ausbauen und sie mit deutschen Start-ups vernetzen. Afrikanische Start-ups präsentieren auf der Fair Handeln Ideen und Lösungen aus ihren Ländern und ermöglichen so den Besucherinnen und Besuchern auch einen Perspektivwechsel. Die Gründerin Nadia Nintunze vom Impact Hub Bujumbura wird neben ihren Ideen vor allem auch ökologisch erzeugte Produkte aus dem baden-württembergischen Partnerland Burundi im Gepäck haben und auf der Messe präsentieren.

Waithera Gaitho, die Geschäftsführerin von Alternatives Africa aus Kenia, informiert über ihre Arbeit in dem ostafrikanischen Land. Sie berät und unterstützt kenianische Start-ups, vor allem junge Menschen, die sich als Mikro- oder Kleinunternehmerinnen und ‑unternehmer selbständig machen wollen. Über ihre Vorstellungen und die afrikanische – oder besser, die kenianische Start-up-Szene wird sie auch als Keynote Speakerin bei der Eröffnung der Fair Handeln am Donnerstag sprechen. Waithera Gaitho ist neben ihrer Tätigkeit für Alternatives Africa Beraterin der kenianischen Regierung für Jugendpolitik und Vorsitzende der Kenya Private Sector Alliance (KEPSA).

Über die Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ)

Die 1991 gegründete Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) ist Initiatorin und ideelle Trägerin der Messe Fair handeln. Die SEZ will die baden-württembergische Bevölkerung für ein global verantwortungsvolles Handeln sensibilisieren und aufzeigen, wie jede und jeder etwas für eine gerechtere Welt tun kann.

Pressekontakt:

Beate Wörner

Tel.: 0711 / 2 10 29-40

E-Mail: woerner@sez.de


Weitere Informationen

www.fair-handeln.com

www.sez.de

www.futurefashion.de

www.bw-burundi.com