Klimagerechtigkeit muss gelebt werden

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„Jede und jeder einzelne von uns muss mehr Verantwortung übernehmen", forderte Philipp Keil,Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) bei der Eröffnung des 6. Stuttgarter Forums für Entwicklung.

Die Tagung stand unter dem Thema Klimagerechtigkeit für alle. Und Staatssekretärin Gisela Splett vom baden-württembergischen Finanzministerium betonte "Klimaschutz und Klimagerechtigkeit müssen gelebt werden“. Über die Folgen, die der Klimawandel für Länder des globalen Südens hat, berichtete Anjalina Diana Podder. „Wir in Bangladesch zahlen den Preis für den Klimawandel“, rief die Abteilungsleiterin des Klimareferats der Bischöflichen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der Bischofskonferenz Bangladesch den rund 550 Teilnehmenden des 6. Stuttgarter Forums für Entwicklung zu.

Hier finden Sie die Pressemitteilung der Veranstaltung.

Ergebnispapier, Präsentationen, Vorträge, Inputs

Anjalina Diana Podder, Abteilungsleiterin des Klimareferats, Bischöfliche Kommission für Gerechtigkeit und Frieden, Bischofskonferenz Bangladesch: Input

Laut der alle zwei Jahre herausgegebenen Studie der Bundesregierung „Umweltbewusstsein in Deutschland“ sehen zwei Drittel der Menschen hierzulande den Klimaschutz als eine der großen Herausforderungen der Globalisierung an. Wieso verbringen wir dann immer noch so viel Zeit im Stau, reisen über das Wochenende mal schnell nach Barcelona oder kaufen Äpfel aus Neuseeland?


Eigentlich wissen wir, was richtig und was falsch ist. Scheinbar hindert uns aber etwas daran, unsere Überzeugungen in die Tat umzusetzen. Ein individueller und gesellschaftlicher Wandel dank alltäglicher Verhaltensroutinen, Lebensstile und sozialer Normen scheint schwierig.


Wie können diese Barrieren überwunden werden? Müssen künftig Genügsamkeit und Verzicht in unserer „überentwickelten" Welt zum Mainstream werden? Wie können Werte gewandelt und Gewohnheiten für ein klimagerechtes und einfaches Leben geändert werden?


Präsentationen:


  • Edna Sawe, Gründerin von „Biopane Energy Kenya“ und Teilnehmerin der ASA Autumn School for Sustainable Entrepreneurship: Input

Die Gestaltung einer nachhaltigen und klimagerechten Globalisierung ist für die weltweit erfolgreichen Unternehmen in Baden-Württemberg von besonderer Bedeutung. Welche Anforderungen dabei an ein verantwortliches Management globaler Liefer- und Wertschöpfungsketten gestellt sind, soll Gegenstand dieses Panels sein. Auch die Frage, wie eine betriebliche Umsetzung unternehmerischer Sorgfaltspflichten aus sozialer, ökologischer und menschenrechtlicher Perspektive aussehen könnte, soll diskutiert werden.


Viele Unternehmen in Baden-Württemberg nehmen diese gesellschaftliche Verantwortung bereits in vorbildlicher Weise wahr und engagieren sich in Entwicklungs- und Schwellenländern in vielfältiger Weise.


Welche Rolle hat dabei das Zusammenspiel von Wirtschaft, Wissenschaft, öffentlicher Hand, Kirchen, Verbänden und zivilgesellschaftlich organisierten Initiativen?

Der Klimawandel und dessen Folgen wie Hitzewellen, Dürren, Anstieg des Meeresspiegels, Überschwemmungen und Starkstürme sind bereits heute wichtige Gründe für Vertreibung und Migration. Im Vergleich werden bereits doppelt so viele Menschen aufgrund von Extremwetter-Ereignissen vertrieben wie durch Kriege und Konflikte.


Wie wirkt sich der Klimawandel auf Migrationsbewegungen aus? Welche globalen Regionen sind besonders betroffen? Lässt sich Migration „stoppen“? Welche Anpassungen können erzwungene Migration verhindern? Und was hat das alles mit mir zu tun?


Erfahren Sie hier die Zusammenhänge von Klimawandel, Migration und Vertreibung aus der gleichnamigen 2017 erschienen Greenpeace-Studie der Universität Hamburg. Diskutieren Sie mit uns und lernen Sie konkrete Projekte kennen, die Klimaflucht verhindern helfen.

Faire Klimapolitik ist eine Frage der Gerechtigkeit. Denn der Klimawandel verschärft die bestehenden Ungerechtigkeiten weltweit und führt zu mehr Ungerechtigkeit – auch zwischen den Geschlechtern:

Der Klimawandel wirkt sich nicht auf alle Menschen gleich aus! Einkommen, Herkunft, Alter und nicht zuletzt Geschlecht sind einige der Faktoren, die die Lebenssituation von Menschen, Lebensstil und CO2-Ausstoß, Betroffenheit von Klimawandel und auch von klimapolitischen Maßnahmen beeinflussen.


Was hat Klimagerechtigkeit mit Gender zu tun? Erfahren Sie in diesem Podium mehr über Verursachung, Folgen und Maßnahmen im Bereich geschlechterspezifischer Klima(un)gerechtigkeit und lernen Sie konkrete Projekte in Afrika, Asien und Europa kennen. Und diskutieren Sie mit uns!


Präsentationen:


● Uschi Böss-Walter, NaturFreunde Baden-Württemberg: "Vorstellung Fachbereich Nord-Süd-Kooperationen"

● Linda Ederberg, GenderCC – Women for Climate Justice e. V.: "Gender into Urban Climate Change Initiative (GUCCI)"

● Anja Rühlemann, Women Engage for a Common Future: "Geschlechtergerechte Klimaschutzlösungen"

Das Panel möchte aus den Blickwinkeln von Bund, Land und Kommune erforschen, was die Erfolgsfaktoren sind, damit ein Schulterschluss für mehr Klimagerechtigkeit gelingt: Stuttgart stärkt die SDG Umsetzung durch vielfältige Partnerschaften mit Zivilgesellschaft und Wissenschaft sowie interkommunale Zusammenarbeit auf lokaler, regionaler und internationaler Ebene. Der nachhaltige Konsum als Schwerpunkt der Landesnachhaltigkeitsstrategie:

Das Land befindet sich in der Sandwichposition. Bund und Kommunen sollen sich bei der Zusammenarbeit an der Landesnachhaltigkeitsstrategie, die mit den SDG abgestimmt ist, orientieren können. Deren Schwerpunkte, wie etwa der Nachhaltige Konsum, sollen Kristallisationspunkte für die Zusammenarbeit bieten: so etwa bei der Future-Fashion-Kampagne. Die höchste und abstrakteste Ebene bildet der Bund ab. Kein Wunder, liegt doch sei Schwerpunkt auf der konkreten Umsetzung und Anschlussfähigkeit der weltweiten Agenda.

Fahrten zur Arbeit, in den Urlaub, zu Freunden, zum Einkaufen – Mobilität ist Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, ökonomische Entwicklung und Wohlstand. Im Hinblick auf Klimaschutz ist sie jedoch besonders problematisch. Mit knapp 32% ist der Verkehrssektor der größte CO2-Emittent in Baden-

Württemberg. Mit dem Weltklimavertrag von Paris und der Agenda 2030 verpflichtet sich die Staatengemeinschaft zur vollständigen Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2050 und zur nachhaltigen Entwicklung. Mobilität muss künftig weitgehend klimaneutral und nachhaltig sein – für das Automobilland Baden-Württemberg eine große Herausforderung.


Was bedeutet nachhaltige bzw. klimagerechte Mobilität eigentlich? Mit welchen Maßnahmen kann sie in Städten und Gemeinden bedarfsgerecht gestaltet werden? Über diese Fragen und anhand von Beispielen aus baden-württembergischen Kommunen, die bereits für eine nachhaltige und klimagerechte Mobilität aktiv sind, möchten wir mit Ihnen diskutieren. Vorangestellt werden Erkenntnisse der Studie „Mobiles Baden-Württemberg“ der Baden-Württemberg Stiftung.

Internationale Beschlüsse wie die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung oder das Pariser Klimaabkommen zur Begrenzung der menschengemachten globalen Erwärmung heben die Schlüsselrolle von Regionen und Kommunen hervor. Doch Maßnahmen für eine nachhaltige Entwicklung wie auch Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel fordern einen integrierten Ansatz. Der Austausch auf verschiedenen Ebenen mit unterschiedlichen Akteuren ist ebenso entscheidend wie neue Ansätze im Rahmen von globalen Partnerschaften. Das Fachforum gibt einen Einblick in die praktische Umsetzung von Kooperationsformaten auf subnationaler und kommunaler Ebene sowie deren Fördermöglichkeiten. Zudem zeigt das Fachforum auf, wie sich Städte weltweit über ein Bündnis für mehr Klimagerechtigkeit zusammenschließen können.


Präsentationen:

● Tobias Eisele und Karl Franz, Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg "Climate Policy and the role of the subnational level - Under2 Coalition -"


Als marktgetriebene Antwort auf die Herausforderung des drohenden Klimawandels entwickelte sich seit Ende der 1980er Jahre der verpflichtende und freiwillige Handel mit CO2-Zertifikaten. Dieser findet in zahlreichen Klimaschutzprojekten in Ländern des Globalen Südens, u.a. zur Kompensation von reisebedingten Emissionen, seine praktische Umsetzung.


Ist das Instrument der CO2-Kompensation in der Lage, den schnellstmöglichen Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energien und die notwendige globale Transformation zu unterstützen? Oder entfaltet die CO2-Kompensation kontraproduktive Kräfte, die zwar auf lokaler Ebene Impulse für eine nachhaltige Entwicklung geben können, jedoch zugleich auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene zum Erhalt der heute dominierenden, nicht nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweisen beitragen? Diese Fragen sowie das Für und Wider der CO2-Kompensation und mögliche Alternativen diskutieren die Referierenden und Teilnehmenden.


Präsentationen:

Der Klimawandel hat schon jetzt gravierende Auswirkungen auf die Landwirtschaft und bedroht die Ernährungssicherung. Gleichzeitig ist das globale Ernährungssystem für bis zu 57% des gesamten Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Industriestaaten sind als wesentliche Verursacher besonders in der Pflicht, ihre Emissionen zu senken und die Betroffenen zu unterstützen. Institutionen aus Entwicklungszusammenarbeit, Forschung und Industrie arbeiten deshalb daran, Anbaumethoden anzupassen, dürreresistente Sorten zu entwickeln sowie Fortbildungen für Kleinbauern und -bäuerinnen anzubieten. Die notwendige Anpassung wird aber auch dazu genutzt, mehr Kontrolle über Land, Saatgut und Anbaumethoden zu gewinnen. Menschenrechte und Interessen kleinbäuerlicher Gemeinden werden missachtet.

Das Spannungsfeld von Ernährungssicherung und Menschenrechtswahrung wird erörtert sowie Anpassungsmethoden für Reisanbau in Ostafrika vorgestellt.

Viele Länder im Globalen Süden leiden unter dem Klimawandel, gleichzeitig führen in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern die großflächigen Cash-Crop-Plantagen, aber auch extreme Armut und sehr hohes Bevölkerungswachstum sowie illegaler Einschlag zu erheblichen Abholzungsraten; diese wiederum verursachen Erosion, sinkende Wasserspeicherkapazität sowie geringere Verdunstung. Dies gefährdet vielerorts die Ernährungssicherheit und stellt eine der wichtigsten Fluchtursachen dar. Eine aktuelle Theorie geht davon aus, dass der Regenwald den Niederschlag bewirkt und nicht umgekehrt. Sollte dies stimmen, dann hätte die Abholzung tropischer Wälder noch viel drastischere Konsequenzen. Kahlschlag, Brandrodung und Trockenlegung zerstört die Wälder als CO2-Speicher. Daher müssen neben ein adäquates Forst- und Wassermanagement auch stabile rechtsstaatliche Strukturen treten, um die ungeregelte Abholzung zu verhindern. Dadurch können nicht nur die Lebensbedingungen der Bevölkerung verbessert, sondern zugleich klimawandelfördernde Faktoren reduziert werden. Diese Entwicklungen werden anhand aktueller Beispiele aus Burundi, Indonesien und Mexiko aufgezeigt und diskutiert.

Wie kann ein Hilfswerk klimagerechte Projektarbeit fördern und mit welchem Ziel? Welche sozialen Fragen und sozialen Herausforderungen sind in der Katastrophenhilfe mit dem Thema „Klimagerechtigkeit“ verknüpft? Was bedeutet es konkret, Fragen der Klimagerechtigkeit im Rahmen der Stadt und Raumentwicklung hinreichend zu berücksichtigen – insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern?


Gemeindebasierte partizipative Konzepte der Katastrophenvorsorge sind aus der Perspektive von Caritas international ein unverzichtbarer Baustein zur Klimagerechtigkeit. Sie sorgen dafür, dass Betroffene sich besser gegen die Folgen des Klimawandels wappnen können und ihre Resilienz stärken. Möglichst früh mit drohenden Ernteverlusten und Ernährungsengpässen oder auch gesundheitlichen Folgen durch Wasserknappheit umzugehen, kann Leben retten. Zudem zeugen „Vorsorgekonzepte“ und eine gemeindebasierte Anpassung von Weitsicht: Unter welchen Bedingungen kann der Wissensaustausch über funktionierende gute Beispiele Gemeinden im urbanen wie im ländlichen Raum im Umgang mit der Klimakrise stärken und so der Ausbreitung von Armut aktiv etwas entgegenhalten? Was passiert, wenn sich etwa Konflikte um Wasser zwischen großen Städten und dem ländlichen Hinterland verstärken?


Präsentationen:

Dr. Martina Backes, Biologin, Online-Redaktion Caritas international: Input


Im Rahmen von Klimaschutzkonzepten wird unter anderem auch die Beschaffung in den Landeskirchen und Bistümern erfasst. In diesem Forum soll die Beschaffung in den kirchlichen Verwaltungen, Dekanaten, Kirchengemeinden, Schulen und Kindertagesstätten vorgestellt und die Maßnahmen beschrieben werden, die eingeleitet werden müssen, um die CO2- Emissionen zu reduzieren.


Auch Kommunen haben, ausgehend von der Diskussion um ausbeuterische Kinderarbeit, in den letzten Jahren soziale Kriterien und fair gehandelte Produkte in ihre Beschaffung aufgenommen. Parallel dazu wurden zunehmend umweltund klimafreundliche Produkte beschafft. Dies kann nun auf inzwischen sicherer Rechtsgrundlage zu einer nachhaltigen Beschaffung ausgebaut werden. Hierzu werden Schwerpunkte, einzelne Produkte, gute Praxisbeispiele und Einstiegsmöglichkeiten auch für kleine Kommunen aufgezeigt.


Präsentationen:

● Prof. Dr. Volker Teichert, Forschungsstätte der Ev. Studiengemeinschaft, Hochschule Fresenius Heidelberg, "Faire und klimafreundliche Beschaffung in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und im Erzbistum Köln"


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