Ziad Sheno mit seiner Kalligrafie auf der Messe Fair Handeln ©SEZ/ Hasan Malla
Der Kalligraf Ziad Sheno war zu Gast auf der Messe Fair Handeln 2026. Mit feinen Linien und großer Präzision verbindet er kurdische, arabische und lateinische Schriftkunst – und schafft damit einen stillen Dialog zwischen Baden-Württemberg und dem Nordirak.
Die Partnerschaft zwischen den beiden Regionen war in diesem Jahr am Stand der SEZ auf der Messe Fair Handeln mit der Kalligrafie von Ziad Sheno und den Chonky Animals der Free Yezidi Foundation erlebbar. Ergänzt wurde das Angebot durch Kunst, Kultur, geteilte Erinnerungen und Projekteinblicke auf der Bühne der Messe mit Farida Khalaf, Paruar Bako und dem Duo Flumina. Wir danken allen Beteiligten, dem Netzwerk der Partnerschaft und allen Interessierten, die auf der Fair Handeln 2026 mit Neugier die Verbindung zwischen Baden-Württemberg und dem Nordirak kennengelernt haben.
Im Gespräch mit Ziad Sheno und den Fotos bietet sich Ihnen nun ein Einblick in seine Kunst, was Kalligrafie für den Künstler bedeutet – und warum sie für ihn weit mehr ist, als nur Schrift. Mehr eine Form der Meditation, ein Ausdruck innerer Gedanken und Gefühle. „Es ist eine Verbindung zwischen Hand, Herz und Geist“, beschreibt er seine Arbeit. In den feinen Linien seiner Werke wird den Betrachter*innen Ruhe sichtbar und zugleich eine tiefe emotionale Ebene spürbar.
Besonders eindrucksvoll ist seine Fähigkeit, verschiedene Schriftsysteme miteinander zu verbinden. Kurdische, arabische und lateinische Schrift treten in seinen Kunstwerken in einen Dialog – ganz ohne Worte. „Auch wenn man die Schrift nicht lesen kann, spürt man ihre Energie“, sagt er. Genau darin liegt für ihn die Kraft der Kalligrafie: Sie überwindet sprachliche Grenzen und schafft eine universelle Form der Verständigung.
Seine Wurzeln in Dohuk im Nordirak spielen dabei eine zentrale Rolle. Erinnerungen, kulturelle Prägungen und die eigene Sprache fließen unmittelbar in seine Werke ein und verleihen ihnen Tiefe und persönliche Bedeutung. Die Faszination für Kalligrafie entdeckte Ziad Sheno schon früh. In dem Moment, als er erkannte, wie aus einfachen Linien etwas Ausdrucksstarkes entstehen kann: “Seitdem hat mich die Kalligrafie nicht mehr losgelassen”. Besonders gerne schreibt Ziad Sheno Worte wie „Menschlichkeit“ und „Freiheit“ („Azadi“). Begriffe, die nicht nur inhaltlich, sondern auch visuell eine starke Wirkung entfalten.
Doch was bleibt, wenn Menschen – wie die Messebesucher*innen der Fair Handeln – seine Kunst erleben? Für Ziad Sheno ist die Antwort klar: ein Moment der Ruhe, ein Gefühl von Verbindung – vielleicht, so hofft er, auch Inspiration für etwas Neues. Wer seine Arbeiten weiter entdecken möchte, kann ihm bei Workshops, Ausstellungen und Veranstaltungen begegnen oder online – etwa auf Facebook unter seinem Namen – mit ihm in Kontakt treten.
Lieber Ziad Sheno, vielen Dank für die Einblicke in deine Arbeit und für diese besondere Form der Verbindung des Nordiraks und Baden-Württembergs auf der Messe Fair Handeln durch Kunst.
Was bedeutet Kalligrafie für Sie?
Für mich ist Kalligrafie mehr als nur Schrift – sie ist eine Form von Meditation und Ausdruck. Durch die Linien kann ich Gefühle, Gedanken und Ruhe sichtbar machen. Es ist eine Verbindung zwischen Hand, Herz und Geist.
Sie arbeiten mit kurdischer, arabischer und lateinischer Schrift. Wie kann Kalligrafie Ihrer Meinung nach Brücken zwischen Menschen, Kulturen und Ländern bauen?
Kalligrafie ist eine universelle Sprache. Auch wenn Menschen die Schrift nicht lesen können, spüren sie die Ästhetik und die Energie. Wenn ich kurdische, arabische und lateinische Schrift verbinde, entsteht ein Dialog zwischen Kulturen – ohne Worte.
Ihre Wurzeln liegen in Dohuk. Welche Rolle spielt Ihre Heimat in Ihrer Kalligrafie?
Meine Heimat Dohuk ist ein wichtiger Teil meiner Identität. Die Erinnerungen, die Kultur und die Sprache begleiten mich in meiner Arbeit. Sie geben meinen Werken Tiefe und eine persönliche Geschichte.
Erinnern Sie sich an den Moment, in dem Sie Kalligrafie für sich entdeckt haben?
Ja, das war ein besonderer Moment. Ich war fasziniert davon, wie aus einfachen Linien etwas so Ausdrucksstarkes entstehen kann. Seitdem hat mich die Kalligrafie nicht mehr losgelassen.
Gibt es ein Wort oder einen Satz, den Sie besonders gerne schreiben?
Ja, ich schreibe sehr gerne die Wörter wie „Menschlichkeit“ und „Freiheit“, (Azadi). Diese Worte haben eine starke Bedeutung und ich versuche, diese auch visuell spürbar zu machen.
Viele Besucher*innen haben Sie hier live erlebt. Was wünschen Sie sich, dass Menschen mitnehmen, wenn sie Ihre Arbeit sehen oder ein Stück Kalligrafie von Ihnen erhalten?
Ich wünsche mir, dass die Menschen einen Moment der Ruhe erleben und sich verbunden fühlen. Vielleicht entdecken sie etwas Neues oder fühlen sich inspiriert – das ist für mich das Wichtigste.
Und wenn jemand Ihre Kunst weiter entdecken möchte, wo kann man Sie oder Ihre Arbeiten finden?
Man kann mich bei Workshops, Ausstellungen und Veranstaltungen treffen. Außerdem teile ich meine Arbeiten auch online auf Facebook zum Beispiel unter Ziad Sheno. Ich freue mich immer über den Austausch mit interessierten Menschen.
Vielen Dank für das Gespräch und für diese besondere Form der Verbindung durch Kunst.