Im Gespräch mit der Free Yezidi Foundation

Teilnehmende vor dem Enterprise and Training Center der Free Yezidi Foundation in Khanke ©Free Yezidi Foundation

Die Free Yezidi Foundation (FYF) ist eine unabhängige, gemeinnützige Organisation. Sie wurde 2014 nach dem Völkermord an den Jesid*innen mit dem Ziel gegründet, die jesidische Gemeinschaft wieder aufzubauen.

Die FYF ist eine enge Partnerin der SEZ im Rahmen der Partnerschaft Baden-Württemberg und Nordirak und hat Fördermittel des Landes Baden-Württemberg erhalten, um mehrere Projekte in Khanke, in der Region Duhok, umzusetzen. Eine zentrale Initiative ist das Enterprise and Training Center (ETC), in dem Frauen psychosoziale Unterstützung und Möglichkeiten zur Sicherung ihres Lebensunterhalts erhalten. Zum Beispiel mit der Herstellung der handgefertigten Chonky Animals. Die FYF war im April als besonderer Gast bei der Fair Handeln 2026 in Stuttgart eingeladen.

Dieses Interview bietet vier verschiedene Einblicke in die Organisation:

  • Pari Ibrahim teilt mit uns ihre Motivation als Gründerin,
  • Hewan Omer, die aufgrund von Hürden mit dem Visum leider nicht persönlich an der Fair Handeln teilnehmen konnte, teilt hier ihre Sicht auf die Situation in Dohuk und die Arbeit von FYF zur Unterstützung von jesidischen Überlebenden des Völkermords,
  • Sevi schildert als Teilnehmerin des ETC ihre Erfahrungen aus erster Hand,
  • abschließend reflektiert Cecilia Pedersen über ihre Teilnahme an der Messe Fair Handeln.

Herzlichen Dank an die vier Frauen der Free Yezidi Foundation, dass sie ihre Geschichten mit uns geteilt haben und natürlich für ihre unermüdliche Arbeit und Resilienz!

Diese Interviews wurden aus dem Englischen übersetzt.

Pari Ibrahim, Gründerin und Geschäftsführerin

Pari Ibrahim ist Gründerin und Geschäftsführerin der FYF.

Sie haben die Free Yezidi Foundation nach dem Völkermord an den Jesid*innen gegründet. Können Sie uns einen Einblick in diese Zeit geben? Was hat Ihnen klar gemacht, dass dies zu Ihrem Lebenswerk werden würde?

Die Tage nach dem Völkermord an den Jesid*innen brachten unvorstellbares Leid und eine dringende Notwendigkeit mit sich. Wie viele Jesid*innen sah ich mit an, wie meine Gemeinschaft auf eine Weise litt, die sich nur schwer in Worte fassen lässt: Massenhinrichtungen, Versklavung und die systematische Verfolgung von Frauen und Mädchen.

Zunächst wollte ich Überlebende und ihre Familien mit humanitärer Hilfe unterstützen. Doch als ich aus Europa in meine Gemeinschaft im Irak zurückkehrte, wurde mir klar, dass es mindestens zehn Jahre unermüdlicher Arbeit erfordern würde, um wirklich etwas zu bewirken. Es war offensichtlich, dass so viele Überlebende langfristige Unterstützung benötigen würden, um ihr Leben wieder aufzubauen. Dies würde keine kurzfristige humanitäre Hilfe sein; es erforderte nachhaltiges Engagement, Vertrauen und einen gemeinschaftsorientierten Ansatz.

Irgendwann wurde es zu einer Frage des Umfangs und darum, die notwendigen Ressourcen zu finden und aufrechtzuerhalten, um eine stabile Institution zu unterstützen, die von und für unsere Gemeinschaft ist und sich auf von Frauen geleitete Initiativen konzentriert. Da wurde mir klar, dass diese Arbeit nicht nur ein Kapitel in meinem Berufsleben sein würde, sondern mein Lebenswerk.

Für alle, die vielleicht zum ersten Mal von der FYF hören: Wie sieht Ihre Arbeit vor Ort heute konkret aus und welche Veränderungen beobachten Sie im Leben der Frauen, die Sie unterstützen?

Bei der Free Yezidi Foundation steht die Unterstützung der Überlebenden als Menschen im Mittelpunkt unserer Arbeit – und nicht als Objekte, die herumgereicht und der internationalen Gemeinschaft vorgeführt werden. Das bedeutet, dass wir so weit wie möglich psychologische Betreuung, Bildung, wirtschaftliche Stärkung und den Wiederaufbau von Gemeinschaften anbieten.
Vor Ort sieht das so aus, dass Frauen an Trauma-Beratung teilnehmen, neue Fähigkeiten erlernen, Alphabetisierungskurse besuchen und in sicheren, unterstützenden Umgebungen arbeiten. Es bedeutet auch, Räume zu schaffen, in denen sie wieder zueinanderfinden und beginnen können, Vertrauen und ein Gefühl der Normalität wiederaufzubauen. Manchmal erhalten einige dieser Bemühungen mehr Mittel als andere, aber wir tun unser Bestes, um in all diesen Schwerpunktbereichen ein gewisses Angebot aufrechtzuerhalten.

Die Veränderungen, die wir beobachten, sind tiefgreifend: Frauen, die sich einst isoliert und ohne Perspektiven fühlten, gewinnen Schritt für Schritt ihr Selbstvertrauen und ihre Unabhängigkeit zurück. Viele versorgen fortan ihre Familien, treffen ihre eigenen Entscheidungen und übernehmen sogar Führungsrollen in ihren Gemeinschaften. Der Genesungsprozess ist nicht immer vorhersehbar und erfordert Zeit, Geduld und Fürsorge. Doch was wir jeden Tag erleben, ist Resilienz: Jesidische Frauen nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand und gestalten ihre eigene Zukunft.

Ein Teil dieser Arbeit ist das Enterprise and Training Centre (ETC), in dem Frauen die sogenannten Chonky Animals herstellen. Darunter auch unser SEZ-Maskottchen hier in Stuttgart, das Partnersheep. Sie sind verspielt und kuschelig, haben aber einen sehr ernsten Hintergrund. Was bedeutet dieses Projekt für Sie über die Produkte hinaus?

Im Unternehmens- und Ausbildungszentrum geht es um weit mehr als nur um die Herstellung von Produkten. Dahinter steht die Idee, dass Jesid*innen – genau wie alle anderen auch – großartige Produkte herstellen können, die auf dem Markt gefragt sind. Und das stimmt: Ich sehe persönlich Menschen auf der ganzen Welt, die diese handgefertigten Stücke lieben, die von den Händen unserer jesidischen Frauen geschaffen wurden. Hier geht es darum, Würde, Sinnhaftigkeit und Kreativität wiederherzustellen. Die Chonky Animals, auch das Partnerschaf der SEZ, sind Symbole dieser Wandlung. Jedes handgefertigte Produkt steht für die Stärke und den Weg der Kunsthandwerkerinnen: vom Trauma hin zur Heilung, von der Abhängigkeit hin zur Unabhängigkeit. Wenn Frauen diese Tiere herstellen, lernen sie nicht nur praktische Fertigkeiten, sondern entdecken auch ihre Fähigkeit wieder, etwas Fröhliches und Sinnvolles zu schaffen – etwas, das Menschen auf der ganzen Welt schätzen.

Es hat etwas Kraftvolles, eine Geschichte, die in Not verwurzelt ist, durch etwas Weiches, Tröstliches und sogar Verspieltes zum Ausdruck zu bringen. Es stellt die Vorstellung in Frage, dass Überlebende allein durch das definiert werden, was sie durchgemacht haben.

Für mich spiegelt dieses Projekt Hoffnung wider. Es zeigt, dass es selbst nach den dunkelsten Erfahrungen Raum für Kreativität, Verbundenheit und Leichtigkeit gibt. Und wenn Menschen auf der ganzen Welt mit diesen Produkten in Berührung kommen, kaufen sie nicht nur einen Gegenstand, sondern nehmen an einer Geschichte von Widerstandsfähigkeit und Solidarität teil und unterstützen sie. Das ist die Geschichte des jesidischen Volkes.

Hewan Omer ist Länderdirektorin der FYF in Khanke, Dohuk.

Sie arbeiten vor Ort in Dohuk, in der Nähe der Orte, an denen viele jesidische Familien noch immer dabei sind, ihr Leben neu aufzubauen. Was bedeutet Alltag für die Frauen, mit denen Sie zusammenarbeiten, und wie weit ist das von dem entfernt, was sie durchgemacht haben?

Ein „normaler Tag“ für die jesidischen Frauen und Familien, mit denen wir zusammenarbeiten, ist ein komplexes Gleichgewicht aus Widerstandskraft, alltäglichen Verpflichtungen und großer Entschlossenheit. Seit elf Jahren kümmern sie sich in der schwierigen Umgebung eines Geflüchtetenlagers um ihre Kinder und bewältigen den Haushalt, während sie gleichzeitig die Last ihrer vergangenen Erfahrungen tragen. Für viele ist jeder Tag geprägt vom anhaltenden Schmerz über den Verlust und das Trauma des Völkermords, von den quälenden Erinnerungen an vermisste Angehörige und von der Ungewissheit über ihre Zukunft. Trotz dieser tiefgreifenden Herausforderungen zeigen diese Frauen bemerkenswerte Stärke und Mut und finden Momente der Hoffnung und Ausdauer in ihren Bemühungen, ihr Leben wieder aufzubauen und ihren Familien Stabilität zu bieten. Ihr Alltag ist ein Zeugnis sowohl für die anhaltenden Auswirkungen vergangener Gräueltaten als auch für die Widerstandsfähigkeit, die sie auf ihrem Weg in die Zukunft verkörpern.

Durch die Projekte von FYF erhalten Frauen psychosoziale Unterstützung und Möglichkeiten zur Sicherung ihres Lebensunterhalts. Welche Veränderungen beobachten Sie bei den Frauen, die an diesen Programmen teilnehmen?

Durch die FYF-Programme habe ich tiefgreifende Veränderungen bei Frauen miterlebt, die nach und nach ihr Selbstvertrauen, ihre Handlungsfähigkeit und ihren Lebenssinn zurückgewinnen. Psychosoziale Unterstützung hat es ihnen ermöglicht, Traumata zu verarbeiten, während Möglichkeiten zur Existenzsicherung wie Berufsausbildung, Kleinunternehmensinitiativen oder handwerkliche Projekte es ihnen ermöglichen, aktiv zum Wohl ihrer Familien und Gemeinschaften beizutragen. Frauen, die früher zögerten, in Gruppen zu sprechen, bringen nun ihre Ideen offen zum Ausdruck, treffen Entscheidungen mit Selbstvertrauen und blicken mit neuem Optimismus in die Zukunft. Die Auswirkungen gehen weit über finanzielle Stabilität hinaus. Ein Einkommen zu erzielen – sei es durch Backen, Handwerk oder andere Initiativen – stärkt das Selbstvertrauen, vermittelt ein Gefühl der Selbstbestimmung und schafft Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Viele dieser Frauen sind zu Vorbildern in ihren Gemeinschaften geworden und inspirieren andere, indem sie zeigen, dass Hoffnung, Selbstbestimmung und persönliche Stärke auch nach unvorstellbaren Schwierigkeiten erreichbar sind. Die Veränderung ist subtil und doch tiefgreifend – eine Rückeroberung von Leben, Würde und Resilienz, die sich auf ihre Familien und Gemeinschaften ausweitet.

Trotz Einladung konnten Sie aufgrund von Visumsbeschränkungen leider nicht persönlich an der Fair Handeln 2026 teilnehmen. Was sagt das über die globalen Ungleichheiten aus, die Ihre Arbeit nach wie vor beeinträchtigen?

Die Tatsache, dass ich aufgrund von Visabeschränkungen nicht an der Fair Handeln teilnehmen konnte, verdeutlicht die anhaltenden globalen Ungleichheiten, die unsere Arbeit nach wie vor prägen. Diese Hindernisse sind nicht abstrakt, sondern schränken unsere Fähigkeit, Wissen auszutauschen, uns in internationalen Netzwerken zu engagieren und den Stimmen marginalisierter Gemeinschaften – wie der Jesid*innen – Gehör zu verschaffen, unmittelbar ein. Systemische Hindernisse treffen Menschen aus Konfliktgebieten unverhältnismäßig stark und unterstreichen die ungleiche Verteilung von Chancen und Zugangsmöglichkeiten. Diese Erfahrung zeigt die dringende Notwendigkeit inklusiver internationaler Plattformen, die sicherstellen, dass alle Stimmen, insbesondere die aus schutzbedürftigen Gemeinschaften, anerkannt, gehört und wertgeschätzt werden. Sie unterstreicht zudem, wie entscheidend es ist, Privilegien und Zugangsungleichheiten anzugehen, um eine wirklich gerechte Zusammenarbeit auf globaler Ebene zu fördern.

Und nun zu etwas Leichterem: Haben Sie ein Lieblings-Chonky Animal?

Mein Lieblings-Chonky Animal ist definitiv der Affe, genauer gesagt das Weibchen mit der kleinen Schleife und den süßen Wimpern.

Sevi ist jesidische Kunsthandwerkerin, Überlebende des Genozids und Teilnehmerin des ETC. Sie lebt seit dem Völkermord an den Jesid*innen im Jahr 2014 mit ihrer Familie im IDP Camp Khanke.

Wie sah Ihr Alltag aus, bevor Sie dem Projekt beigetreten sind, und was hat sich verändert, seit Sie Teil des ETC sind?

Bevor ich dem Projekt beitrat, fühlte sich mein Alltag sehr eingeschränkt an. Ich verbrachte meine Tage meist zu Hause, konzentrierte mich auf die Hausarbeit und hatte keine Möglichkeit, neue Fähigkeiten zu erlernen oder ein Einkommen zu erzielen. Ich fühlte mich isoliert und war unsicher, was die Zukunft anging. Ich hatte kaum Gelegenheit, neue Leute kennenzulernen, mich weiterzuentwickeln oder finanziell zur Familie beizutragen.

Seit ich Teil des ETC bin, hat sich vieles verändert. Jetzt hat mein Alltag einen Sinn und eine Struktur. Ich wache morgens mit dem Wissen auf, dass ich an einen Ort gehe, der mir etwas bedeutet – einen Ort, an dem ich lernen, etwas schaffen und wachsen kann. Ich habe praktische Fähigkeiten erworben, mein Selbstvertrauen gestärkt und begonnen, mit meiner Arbeit ein Einkommen zu erzielen. Über die finanzielle Unterstützung hinaus habe ich noch etwas viel Wichtigeres gewonnen: ein Gefühl der Zugehörigkeit. Das Zentrum ist nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern eine unterstützende Gemeinschaft. Ich fühle mich unabhängiger, blicke hoffnungsvoller in die Zukunft und bin stolz darauf, dass ich einen Beitrag für meine Familie leisten und meine Arbeit mit Menschen außerhalb meiner Gemeinschaft teilen kann.

Die von Ihnen hergestellten Chonky Animals reisen um die ganze Welt, weit weg von dem Ort, an dem sie entstanden sind. Was bedeutet es für Sie zu wissen, dass etwas, das Sie mit deinen eigenen Händen geschaffen haben, Ihre Geschichte über Ihre Gemeinde hinaus trägt?

Das bedeutet, dass ein Teil von mir mitreist. Wenn die Chonky Animals unsere Werkstatt verlassen und in ein anderes Land gehen, sind sie nicht nur Stofftiere – sie tragen unsere Zeit, unsere Mühen, unsere Kämpfe und unsere Hoffnungen in sich. Jeder Handgriff birgt eine Geschichte: von Frauen, die neue Fertigkeiten erlernen, vom Wiederaufbau ihres Lebens nach der Vertreibung, von der Zusammenarbeit mit Geduld und Sorgfalt.

Zu wissen, dass etwas, das ich mit meinen eigenen Händen geschaffen habe, Menschen weit über meine Gemeinschaft hinaus erreicht, macht mich stolz und verbindet mich mit der Welt. Es zeigt, dass unsere Arbeit zählt. Es sagt uns, dass unsere Stimmen reisen können, auch wenn wir es nicht können.

Es gibt mir auch Hoffnung. Es bedeutet, dass unsere kleine Werkstatt gar nicht so klein ist – sie ist Teil von etwas Größerem. Durch diese Chonky Animals teilen wir Kreativität, Widerstandsfähigkeit und Würde mit Menschen, die wir vielleicht nie treffen werden, die aber dennoch durch das, was wir herstellen, mit uns verbunden sind.

Wenn Sie den Menschen in Baden-Württemberg eine Sache über Ihre Erfahrungen mitteilen könnten, was sollten sie Ihrer Meinung nach verstehen?

Wenn ich den Menschen in Baden-Württemberg eine Sache sagen könnte, dann wäre es diese: Eure Unterstützung ist nicht nur finanzieller Natur – sie verändert unser Leben. Was aus der Ferne vielleicht unbedeutend erscheint, bewirkt in unserem Alltag echte Veränderungen. Dank dieser Chance verdienen wir nicht nur unseren Lebensunterhalt; wir gewinnen auch unser Selbstvertrauen, unsere Unabhängigkeit und unser Selbstwertgefühl zurück.

Ich möchte, dass sie wirklich verstehen, dass wir nicht nur Hilfsempfängerinnen sind – wir sind qualifizierte, fleißige Frauen mit Träumen, Kreativität und Stärke. Mit der richtigen Unterstützung können wir unsere eigene Zukunft gestalten. Ihre Verbindung zu uns, selbst aus der Ferne, erinnert uns daran, dass wir gesehen, geschätzt und nicht vergessen werden. Und dieses Gefühl gibt uns Hoffnung.

Und zum Schluss: Hast du ein Lieblings-Chonky Animal und warum?

Mein liebstes Chonky Animal ist das Schaf. Für mich steht das Schaf für Sanftmut, Fürsorge und stille Stärke. Es mag weich und ruhig wirken, ist aber auch widerstandsfähig und in der Lage, sich an unterschiedliche Umgebungen anzupassen. In vielerlei Hinsicht sehe ich unsere eigene Geschichte im Schaf widergespiegelt. Wir arbeiten mit Geduld und Freundlichkeit und unterstützen uns gegenseitig als Gemeinschaft. Selbst wenn das Leben schwierig ist, bleiben wir standhaft und gehen gemeinsam weiter voran. Wenn ich ein Schaf nähe, habe ich das Gefühl, Wärme, Trost und Hoffnung in jedes Detail einzuweben.

Cecilia Pedersen ist Leiterin für Programme und Entwicklung der FYF und war im April Mitausstellerin am Stand der SEZ auf der Messe Fair Handeln in Stuttgart.

Bei Veranstaltungen wie der Fair Handeln 2026 erreichen Geschichten wie die der FYF ein internationales Publikum. Was hoffen Sie, dass die Menschen mitnehmen, nachdem sie Ihre Arbeit kennengelernt haben?

Auf der Fair Handeln habe ich viele Menschen getroffen, die die Chonkys angesehen und gesagt haben: „Ich möchte versuchen, so etwas selbst zu machen.“ Und diese Reaktion gefällt mir wirklich sehr gut. Durch diese wunderschönen, gehäkelten Handarbeiten können wir eine Verbindung über die Fähigkeiten, die Kreativität, die Interessen und die Menschlichkeit herstellen, die wir gemeinsam haben – statt über unsere Unterschiede. Ich denke, das ist gerade jetzt besonders wichtig, in einer Zeit, in der es sich so anfühlt, als würde die Welt immer isolierter und polarisierter.

Ich hoffe auch, dass die Menschen durch die Auseinandersetzung mit der Arbeit der jesidischen Frauen eine andere Sichtweise mitnehmen als die, die wir so oft in den Medien hören – eine, die Menschen, die Krieg und im Falle der Jesid*innen einen Völkermord überlebt haben, auf etwas Eindimensionales reduziert. Die Chonkys und die umfassendere Arbeit von FYF zielen darauf ab, den Menschen zu helfen, etwas anderes zu sehen: dass jesidische Frauen Führungskräfte und Schöpferinnen sind, die bemerkenswerte Stärke und Widerstandsfähigkeit zeigen.

Wenn Sie ein Chonky Animal kaufen, ist das kein Akt der Wohltätigkeit, sondern der Solidarität. Durch die Chonkys können jesidische Frauen ihre eigene Geschichte erzählen, die viel nuancierter ist – eine Geschichte, in der sie gestärkt und selbstbewusst sind und sich eine würdige Zukunft aufbauen, trotz aller Versuche, ihre Kultur und Identität auszulöschen.

Diese Frauen tragen das Wissen, die Traditionen und die Stärke von Generationen in sich. Ich hoffe, dass ihre Geschichten die internationale Gemeinschaft daran erinnern, dass es nicht nur Leid gibt, auf das man reagieren muss, sondern auch Mut und Weisheit, wovon man lernen kann.

Oft besteht eine Kluft zwischen Bewusstsein und Handeln. Wie kann man konkret von Mitgefühl zu sinnvoller Unterstützung übergehen?

Alle, die ich auf der Fair Handeln Messe in Stuttgart getroffen habe, hatten großes Mitgefühl für die jesidische Gemeinschaft und das Leid, das sie durchgemacht hat. Die meisten wollen wirklich etwas tun und fragten, was getan werden kann.

Ich glaube, viele von uns vergessen, dass die strukturellen Ungleichheiten, von denen Hewan spricht, in Wirklichkeit globale Ungleichheiten sind. Das bedeutet, dass sie durch internationale Systeme, Strategien und politische Entscheidungen geprägt sind und dass auch wir – als Bürger*innen – dabei eine Rolle spielen. Auch unsere Regierungen sind Teil dieses Gesamtbildes, und sie müssen dafür zur Rechenschaft gezogen werden, wie sie Gerechtigkeit, Wiederaufbau und langfristige Stabilität in Ländern wie dem Irak unterstützen.

Deshalb sind hier vier konkrete Schritte, die Sie heute unternehmen können:

  1. Direkte Unterstützung: Bestellen Sie ein Chonky Animal und unterstützen Sie damit direkt die jesidische Frau, die es hergestellt hat.
  2. Tragen Sie zu nachhaltigem Wandel bei: FYF ist zur Finanzierung der vielseitigen Programme zum Teil auf Spenden aus unserem großzügigen Netzwerk angewiesen. Wenn Sie unsere Vision teilen und mit Ihrer Spende das Leben von Frauen und Kindern, die von Konflikten betroffen sind, verbessern möchten, spenden Sie direkt an FYF. Wenn Sie Fragen haben oder Möglichkeiten der Zusammenarbeit erkunden möchten, kontaktieren Sie uns unter info@freeyezidi.org.
  3. Nutzen Sie Ihre Stimme: Schaffen Sie Bewusstsein, üben Sie aber auch Druck aus. Sprechen Sie mit Ihren gewählten politischen Vertreter*innen und fragen Sie sie, wie sie Minderheitengemeinschaften unterstützen – sowohl in Deutschland als auch im Irak. Setzen Sie sich für politische Maßnahmen ein und stimmen Sie für solche ab, die über kurzfristige Hilfe hinausgehen und in langfristige Gerechtigkeit und lokale Führungskräfte investieren.
  4. Helfen Sie uns, die Botschaft zu verbreiten: Liken Sie uns auf Facebook, folgen Sie uns auf Twitter, Instagram und LinkedIn und teilen Sie unsere Geschichten mit Ihren Freund*innen und Ihrer Familie.

Jesidische Frauen geben nicht auf, eine bessere Zukunft zu gestalten. Das sollten wir auch nicht.

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