Das Grußwort von Staatssekretär Florian Haßler bei der Akteurskonferenz (© Hasan Malla / SEZ)
Am 25. November lud die Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg zur Akteurskonferenz der Partnerschaft Nordirak in das Neue Schloss nach Stuttgart ein. Zentrales Thema war die Aufarbeitung und Zukunftsperspektive für Jesidinnen und Jesiden 11 Jahre nach dem Genozid. Gleichzeitig bildete die Konferenz den Abschluss eines umtriebigen Jahres der Partnerschaft, die seit dem Sonderkontingent für Jesidische Frauen besteht und 2025 erstmals prominent auch lokale Akteure in Baden-Württemberg sichtbar machte.
Moderatorin Susanne Babila vom SWR diskutierte mit Prof. Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan, Christian Ritscher und Farida Khalaf wie mit „Trauma und Gerechtigkeit nach dem Genozid“ in der Gemeinschaft und der Partnerschaft aufgearbeitet wird. Farida Khalaf, selbst Überlebende des Völkermords an den Jesid*innen, berichtete eindrucksvoll von ihren Erfahrungen und machte deutlich, welche Bedeutung Anerkennung und Sichtbarkeit für Überlebende haben. Als Traumapsychologe, der im Sommer 2025 ein Zentrum für Suchthilfe und Psychotherapie in Dohuk eröffnete, hob Prof. Dr. Dr. Jan Kizilhan den hohen Stellenwert psychotherapeutischer Unterstützung bei der Bewältigung kollektiver Traumata hervor. Bundesanwalt Christian Ritscher, ehemaliger Leiter von UNITAD, betonte die zentrale Rolle juristischer Aufarbeitung, um Gerechtigkeit herzustellen und Verbrechen umfassend zu dokumentieren.
Die Konferenz bot auch Raum für künstlerische und immersive Formen der Erinnerungsarbeit. Die SEZ präsentierte die Virtual-Reality-Ausstellung „Nobodys Listening“ sowie die Fotoausstellung „Die Frauen, die den IS besiegten“ von Farida e.V.. Beide wurden von Überlebenden gestaltet und dienen gleichzeitig der Traumaaufarbeitung und der Sensibilisierung einer breiten Öffentlichkeit.
Beim „Speed-Networking“ waren die rund 100 Teilnehmenden zur weiteren Vernetzung mit Akteuren in Baden-Württemberg eingeladen. An fünf Thementischen – Binnengeflüchtete, Klima und Energie, Wirtschaftliche Perspektiven, Unabhängig fördern und Diasporisches Engagement – wurden Impulse für die zukünftige Zusammenarbeit erarbeitet.
Prof. Dr. Ali Tatar, Gouverneur der Provinz Dohuk war angereist und traf sich am Rande der Akteurskonferenz zu einem bilateralen Treffen mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann in der Villa Reitzenstein. Besprochen wurde die Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen beiden Regionen und die gemeinsame Prioritätensetzung. „Das Engagement im Nordirak ist ein kleiner, aber wirkungsvoller Beitrag im internationalen Konzert“, betonte Kretschmann. „Wir geben den Menschen Hoffnung. Das stärkt Demokratie und Menschenrechte.“